Der VCS zur Sicherheit im Gotthard-Strassentunnel
14.07.2015 | 11:00
Bereits heute und erst recht in fünf bis fünfzehn Jahren sind Autos und Lastwagen mit smarten Technologien ausgerüstet, die Kollisionen nahezu ausschliessen. Nationale und internationale Experten zeigten an einer Medienkonferenz des VCS Verkehrs-Club der Schweiz in Bern, wie die Fahrsicherheit...
Aufgrund seiner über 35-jährigen Expertise in Sachen Verkehrssicherheit hat der VCS den bereits jetzt sehr guten Sicherheitsstandard im Gotthard-Strassentunnel unter die Lupe genommen. Der Befund lautet, dass es schon heute eine breite Palette von Technologien gibt und unmittelbar Entwicklungen bevorstehen, welche die Fahrsicherheit enorm erhöhen. "Fahrassistenzsysteme werden künftig auch für den Gotthard-Strassentunnel einen Sicherheitsgewinn bringen", erklärte VCS-Präsidentin Evi Allemann. Der VCS zeige, wie eine möglichst hohe Sicherheit zu günstigen Konditionen und rasch umgesetzt werden kann.
Nach den Darstellungen von Markus H. Muser, Geschäftsleiter der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik (AGU) und von Iain Knight, Direktor der Apollo Vehicle Safety Limited (UK), sind Fahrassistenzsysteme bei vielen Lastwagen wie auch Auto-Herstellern voll im Trend. Im Hintergrund spielen EU-Vorgaben und Marktkräfte mit, erläuterte Iain Knight. Aus Sicht von Markus H. Muser muss in der Schweiz die Prüfung und Validierung der Fahrassistenzsysteme zielstrebiger vorangetrieben werden, damit die Vorteile der Systeme voll zum Tragen kommen. "Grosses Potenzial gerade in Tunnels haben der Abstandshalter, der Spurhalte- und Spurwechselassistent", sagte Muser.
Falscher Ansatz?
Laut dem Tessiner Grossrat Ivo Durisch ist der Plan einer 2. Röhre vor allem deshalb ein falscher Ansatz, weil er die Sicherheit durch massiven Mehrverkehr gefährden statt erhöhen würde. "Aufgrund des zu erwartenden Mehrverkehrs würde die Sicherheit im ganzen Tessin abnehmen. Auch die Belastung durch Ozon ist derzeit gravierend und würde die Gesundheit noch mehr beeinträchtigen", sagte Ivo Durisch.
"Der Bau einer 2. Röhre ist absolut unnötig", resümierte VCS-Präsidentin Evi Allemann. "Die Massnahmen, die wir fordern, sind rasch umsetzbar und kosten einen Bruchteil der veranschlagten drei Milliarden Franken, die eine 2. Röhre zur Sanierung des bestehenden Gotthard-Strassentunnels im Mindesten verschlingen würde."
Überhitzte Fahrzeuge erkennen
Konkret schlägt der VCS ein Thermoportal am Nordeingang des Gotthard-Strassentunnels vor, das überhitzte Fahrzeuge erkennt und stoppt. Der Einbau einer versenkbaren Mittelleitplanke soll Kollisionen verhindern, ebenso eine Temporeduktion im Tunnel von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde sowie die Ausrüstung neuer Lastwagen und später aller Fahrzeuge mit smarter Technologie wie Spurhaltesystem, Notbremse-Assistenz und Abstandshalter.
Der VCS fordert zudem eine konsequente Verlagerung der Gütertransporte auf die Schiene, wie sie in der Verfassung verankert ist. Die Eröffnung des neuen Eisenbahnbasistunnels (NEAT) in rund einem Jahr wird neue Kapazitäten schaffen für den Güterverkehr und das Tessin zuverlässig und sicher mit dem Mittelland verbinden.