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Die Vaterlosen: Schuppenfingergeckos haben nur Mütter

(Bildquelle: infoticker)

Schuppenfingergecko-Weibchen brauchen keine Männchen, um Nachwuchs zu haben. Sie pflanzen sich parthenogenetisch (mittels Jungfernzeugung) fort. Auf diese Weise entstandene Eier und Jungtiere haben also nur eine Mutter und keinen Vater. Eier und geschlüpfte Jungtiere der Schuppenfingergeckos können...

Dass sich Tiermütter ohne Männchen fortpflanzen, ist ein eher seltenes Phänomen. In der Regel braucht es ein Weibchen und ein Männchen, um Nachwuchs zu produzieren. Nicht so bei den Schuppenfingergeckos, die im Zoo Basel zu sehen sind.

Schuppenfingergecko-Weibchen legen Eier, ohne je ein Männchen getroffen zu haben. Daraus schlüpfen Junge, und zwar nur Weibchen. Die Mutter produziert bei der parthenogenetischen Fortpflanzung ausschliesslich Töchter, die sich wiederum auf die gleiche Weise fortpflanzen.

Das ist sehr effizient: Die Gecko-Weibchen müssen sich nicht nach einem Geschlechtspartner umsehen. Sobald es Nachwuchs geben soll, legen sie einfach Eier.

Schnelle und einfach Fortpflanzung

Schuppenfingergeckos können sich vornehmlich in den Lebensräumen sehr schnell vermehren und ausbreiten, in denen es wenig Konkurrenz oder Feinde gibt. Man findet sie im südostasiatischen Raum vor allem auf den Inseln im Indopazifik. Als eingeschleppte Art kommen sie auch im tropischen Süd- und Mittelamerika vor. Als Neuankömmlinge haben Schuppenfingergeckos einen grossen Vorteil: Weil sie keinen Partner brauchen, reicht ein einziges Tier aus, um eine neue Population zu gründen.

Schuppenfingergeckos leben von Insekten, Spinnen und Früchten. Da sie sich sehr schnell vermehren, werden sie in manchen Tierhäusern im Zoo Basel zur Insektenbekämpfung freigelassen. Möglich ist dies allerdings nur dort, wo im Haus fast tropische Bedingungen herrschen, beispielsweise im Affenhaus. Unter den üblichen klimatischen Bedingungen unserer Breitengrade können die Tiere hingegen nicht überleben.

Männer: nicht nötig, aber nützlich

Anders als die Schuppenfingergeckos produzieren die Mütter der meisten anderen Tierarten Töchter und Söhne. Damit es zu weiteren Generationen kommt, braucht es bei ihnen immer zwei: ein Männchen und ein Weibchen, die sich sexuell fortpflanzen. Männchen können sich nie alleine fortpflanzen, die Weibchen mancher Tierarten hingegen schon, wie das Beispiel der parthenogenetischen Schuppenfingergeckos zeigt.

Betrachtet man rein die Anzahl Nachkommen der Mutter, so sind Söhne eigentlich eine Verschwendung: Ein parthenogenetisches Weibchen kann mit der gleichen Anzahl Eier doppelt so viele Nachkommen produzieren, als wenn es sich sexuell fortpflanzen würde. Warum aber sind Schuppenfingergeckos mit ihrer Art der Fortpflanzung trotzdem die Ausnahme? Jungfernzeugung hat eben auch Nachteile: Mittels Jungfernzeugung kann sich ein Weibchen zwar schnell fortpflanzen, produziert aber lauter Klone von sich selbst. Das heisst, sie und ihre Nachkommen sind genetisch identisch. Dies wird zum Problem, wenn beispielsweise eine Krankheit auftaucht, welche genau für die betreffende genetische Ausstattung dieser identischen Klone gefährlich ist.

Eine solche Krankheit könnte innert Kürze eine ganze parthenogenetisch entstandene Population auslöschen. Durch sexuelle Fortpflanzung entstandene Kinder sind genetisch eine Mischung beider Elternteile. Sie erhalten die eine Hälfte ihrer genetischen Ausstattung von der Mutter und die andere vom Vater. Da sich alle Geschwister untereinander und von den Eltern genetisch unterscheiden, kann eine Krankheit, wie die oben erwähnte, weniger Schaden anrichten.