EM-Qualifikation geglückt - der Schweizer Fussball auf Kurs
09.11.2015 | 08:30
Es ist geschafft, die Schweizer Nati fährt zur Europameisterschaft nach Frankreich. Obgleich die Mannschaft nicht in jedem Qualifikationsspiel überzeugte, waren die Leistungen dennoch über die gesamte Vorrunde hinweg konstant, sodass die erfolgreiche Qualifikation für das Endrundenturnier 2016, das...
Bereits vor dem 10. Spieltag stand fest, dass sich der Schweizer Fussball auf das kommende Jahr freuen darf, denn im Sommer 2016 treten die Fussballer die Reise nach Frankreich an, um sich mit den besten europäischen Fussballnationen zu messen. Hinter England qualifizierte sich das Team von Trainer Vladimir Petkovic als Gruppenzweiter und somit direkt für die EM.
Heimbilanz in der EM-Quali:
| Spiele | Siege | Unentschieden | Niederlagen | Tore | Gegentore | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 | 4 | 0 | 1 | 17 | 4 | 12 |
Dies erfreut auch Trainerlegende Ottmar Hitzfeld, der seinem Amtskollegen und Nachfolger ein positives Fazit ausstellt: "Er hat die richtige Mischung gefunden und die Mannschaft gut zusammengestellt. Ich freue mich auch sehr für den Präsidenten Peter Gilliéron."
Ottmar Hitzfeld hatte die Schweizer Nationalmannschaft von 2008 bis 2014 trainiert. Mit dem neuen Trainer hat die Mannschaft noch einen Schritt nach vorn gemacht. "Der Schweizer Fussball ist reifer geworden, was auch daran liegen mag, das viele der Spieler mittlerweile bei internationalen Topklubs unter Vertrag stehen", meint Peter Kusinski von sportwettenschweiz.net.
Auswärtsbilanz in der EM-Quali:
| Spiele | Siege | Unentschieden | Niederlagen | Tore | Gegentore | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 | 3 | 0 | 2 | 7 | 4 | 21 |
Während der gesamten Qualifikationsrunde hat die Mannschaft einen positiven Eindruck hinterlassen. Zwar musste man sich in beiden Aufeinandertreffen dem späteren Gruppensieger England geschlagen geben, das ohne Punkteverlust durch die Quali-Runde gekommen ist, ansonsten startete die Mannschaft nach dem etwas holprigen Beginn und der Niederlage gegen Slowenien aber und liess ansonsten keine Punkte liegen.
Der 7:0-Kantersieg gegen San Marino bildete gewiss das torreiche Highlight der Qualifikationsphase und gleichzeitig den höchstes Sieg aller Begegnungen. England gelang nämlich lediglich sechs Tore gegen die kleine Fussballnation, die mit einem Punkt auf dem letzten Platz landete.
Schweiz nimmt Platz 10 der FIFA-Weltrangliste ins Visier
Überraschungen gab es in der kürzlich veröffentlichten FIFA-Weltrangliste. Neuer Spitzenreiter ist Belgien, das den aktuellen Fussballweltmeister Deutschland auf den zweiten Platz verbannte. Die Deutschen stehen derzeit aber noch immer vor dem letztjährigen Weltmeisterschaftszweiten Argentinien. Die Roten Teufel reisen somit als Geheimfavorit zum Turnier nach Frankreich.
Doch auch für den Schweizer Fussball gab es erfreuliche Nachrichten. Die Nati wurde von der FIFA von den zwölften auf den elften Rang gehoben und hat nur noch wenige Punkte Rückstand auf Dauerkontrahent Österreich, das derzeit den zehnten Platz belegt. Auch Gruppensieger England findet sich in Schlagdistanz auf den neunten Rang. Doch schon bald ist es möglich, die eigene Position weiter zu stärken, denn am 17. November trifft man auf den österreichischen Fussball-Nachbarn.
Vorher dürfen sich unsere Schweizer Nationalfussballer aber noch mit der Slowakei messen. In der anstehenden Länderspielpause geht es am 13. November gegen den 27. der FIFA-Weltrangliste, der in der neuen Einstufung satte neun Plätze an Boden verlor - und das trotz erfolgreicher Qualifikation in der Spaniengruppe.
Lostöpfe für die EM 2016 in Frankreich
Die neun Gruppensieger sind automatisch für die EM-Endrunde qualifiziert, ebenso wie die neun Gruppenzweiten und der beste Dritte. Die Zuordnung in die Lostöpfe 1,2,3 und 4 ist abhängig vom Ergebnis der EM-Qualifikation, den erzielten Ergebnissen in der EM 2012 und Weltmeisterschaft 2014 sowie dem aktuellen Ranking in der FIFA-Weltrangliste.
Frankreich als Veranstalter ist automatisch als Gruppenkopf der Gruppe A gesetzt. Auch Spanien steht als amtierender Europameister unabhängig von der FIFA-Weltrangliste für Lostopf 1 fest. Die fehlenden Plätze der Töpfe 2 bis 4 werden nach den Play-off-Spielen Mitte November besetzt.
Die Lostöpfe auf einen Blick:
| Lostopf 1 | Lostopf 2 | Lostopf 3 | Lostopf 4 |
|---|---|---|---|
| Frankreich | Italien | Tschechien | Türkei |
| Deutschland | Russland | Polen | Island |
| England | Schhweiz | Rumänien | Wales |
| Spanien | Österreich | Slowakei | Albanien |
| Belgien | Kroatien | Nordirland | |
| Portugal |
Für den Schweizer Fussball hat die aktuelle Position in der Weltrangliste einen besonders hohen Stellenwert, bedeutet sie doch, dass die Schweiz zur Auslosung der EM-Gruppen am 12. Dezember 2015 im Palais des congrès de Paris in Lostopf 2 gesetzt ist. Hier befinden sich zudem Italien, Russland, Österreich und Kroatien, mit denen sich Trainer Vladimir Petkovic in den ersten Spielen der EM auf keinen Fall beschäftigen muss. Dafür drohen aber die Hammerlose mit Frankreich und Spanien, Portugal, Belgien, dem altbekannten England und Weltmeister Deutschland.
Das ist von der Schweiz bei der EM zu erwarten
Die schweizerischen Fussballfans sind nicht gerade erfolgsverwöhnt, geben sich vielleicht auch deswegen mit kleinen Erfolgen zufrieden. Nichtsdestotrotz ist die Erwartungshaltung gewaltig, was das kommende Endrundenturnier anbelangt. Hoffnung macht womöglich auch, dass das Team im Vergleich zu den letzten Jahren reifer erscheint, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Stars, die vor allem bei Vereinen aus der deutschen Fussballbundesliga reichlich Erfahrung in der Champions League sammeln konnten. Der aktuelle Mix aus gestandenen und erfahrenen Profis sowie jungen Wilden scheint das Erfolgsrezept zu sein.
Dennoch hat der Schweizer Fussball keine gute Erinnerung an die letzten Endrundenturniere. Einen Titel konnte man bisher noch nie gewinnen. Immerhin gelangte man bis ins Achtelfinale der Fussballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien, in welchem man sich, wenn auch erst nach der Verlängerung, dem späteren Finalisten Argentinien geschlagen geben musste.
Europameisterschaftsbilanz der Schweiz:
| Jahr | Gastgeber | Ergebnis | Siege | Unentschieden | Niederlagen | Torverhältnis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1996 | England | Vorrunde | 0 | 1 | 2 | 1:4 |
| 2004 | Portugal | Vorrunde | 0 | 1 | 2 | 1:6 |
| 2008 | Österreich/Schweiz | Vorrunde | 1 | 0 | 2 | 3:3 |
| 2016 | Frankreich | - | - | - | - | - |
Die Europameisterschaft 2012 verpasste die Schweiz komplett. An die EM im eigenen Lande 2008 denkt man zudem ungern zurück. Gross waren die Hoffnungen auch dort vor dem Turnier. Am Ende schied man sang- und klanglos bereits in der Vorrunde aus. Zwar besiegte man im letzten Gruppenspiel Portugal, was den ersten Sieg einer Schweizer Fussballnationalmannschaft bei einer Europameisterschaft bedeutete, doch aufgrund der vorangegangenen Niederlagen gegen Tschechien und die Türkei reichte es nicht für ein Weiterkommen.
Im kommenden Jahr soll es aber anders laufen. Die anstehenden Testspiele werden bereits zeigen, wohin der Weg führt. Können die Leistungen aus den Qualifikationsspielen wiederholt werden, ist mit ein wenig Losglück zumindest das Überstehen der Vorrunde ein realistisches Ziel, obgleich es bisher an echten Gegnern fehlte. Mit international erfahrenen, wenn auch noch jungen Spielern wie Mehmedi, Shaqiri, Xhaka oder Rodriguez sieht die Zukunft für den Schweizer Fussball aber alles andere als schlecht aus.