Fast ein Drittel mehr Schädel-Hirn-Verletzungen in der Schweiz
26.11.2014 | 13:00
Die Anzahl Schädel-Hirn-Verletzungen von Suva-Versicherten nahm in den letzten zehn Jahren massiv zu. Unfallopfer verletzen sich vorwiegend bei Verkehrsunfällen und beim Sport. Die Kosten belaufen sich jährlich auf rund 200 Millionen Franken. In den letzten zehn Jahren nahm die Anzahl...
Die Anzahl Schädel-Hirn-Verletzungen von Suva-Versicherten nahm in den letzten zehn Jahren massiv zu. Unfallopfer verletzen sich vorwiegend bei Verkehrsunfällen und beim Sport. Die Kosten belaufen sich jährlich auf rund 200 Millionen Franken.
In den letzten zehn Jahren nahm die Anzahl Schädel-Hirn-Verletzungen von Suva-Versicherten um knapp 30 Prozent auf inzwischen deutlich über 6'000 Fälle pro Jahr zu. Dies zeigt eine Auswertung der Suva, die sie im Rahmen ihrer Serie "Unfälle in Zahlen" erstellt hat. Bei drei Vierteln dieser Fälle handelt es sich um leichte traumatische Hirnverletzungen, die in der Umgangssprache als Gehirnerschütterungen bekannt sind.
Dies waren in den Jahren 2002 bis 2011 gut 42'500 Fälle. Die restlichen rund 14'200 Verletzungen waren mittelschwere oder schwere Schädel-Hirn-Traumata. Das sind Verletzungen am Kopf, bei denen das Gehirn, die Hirnhäute, die Blutgefässe im Gehirn und der Schädelknochen mit einbezogen sind.
Mehr Gehirnerschütterungen
"Die steigende Zahl lässt sich vor allem durch die frappante Zunahme an Gehirnerschütterungen erklären", erklärt Stefan Scholz, Statistiker bei der Suva. Wurden bei den Suva-Versicherten im Jahr 2002 noch rund 3'800 solcher Verletzungen registriert, waren es im Jahr 2011 fast 1'300 mehr. "Diese passieren vorwiegend bei Verkehrsunfällen und beim Sport." So stamme jede dritte aus einem Verkehrs- und jede vierte Gehirnerschütterung aus einem Sportunfall, sagt Scholz. Beim Sport habe sich die Zahl der Gehirnerschütterungen zwischen 2002 und 2011 gar fast verdoppelt.
Geringere Dunkelziffer
"Diese Zunahme hängt vor allem damit zusammen, dass es heute eine kleinere Dunkelziffer gibt, weil die Personen mit Gehirnerschütterungen eher zum Arzt gehen", erläutert Rita Schaumann-von Stosch, Fachärztin Neurologie bei der Suva. Das Thema Gehirnerschütterungen und deren Konsequenzen sei gerade im Zusammenhang mit dem Profisport in den letzten Jahren häufig in den Medien gewesen, was zur Sensibilisierung beigetragen habe. "Zudem setzt sich die Suva seit 2005 dafür ein, dass die Gehirnerschütterung ernst genommen wird und Ärzte bei der Abklärung entsprechend dem aktuellen Kenntnisstand vorgehen."
Arztbesuch ist nötig
Bei fast 90 Prozent der Personen mit Gehirnerschütterungen bleibt es bei leichten Unfallfolgen; das heisst, die Unfallopfer beziehen entweder kein Taggeld oder nur max. 30 Tage lang. Trotzdem sei es wichtig, betont Rita Schaumann-von Stosch, dass Menschen mit einer Gehirnerschütterung zum Arzt gehen würden und sich über den erwarteten Verlauf der Beschwerden aufklären liessen. "Sie erhalten dort die Informationen, die ihnen helfen, sich nach einem Unfall angemessen verhalten zu können und die Heilung zu unterstützen."
Personen ab 50 verletzen sich schwerer
Die Zahl der schweren Schädel-Hirn-Traumata hat zwischen 2002 und 2011 nur leicht auf heute etwa 1'500 Fälle pro Jahr zugenommen. Betroffen sind überdurchschnittlich häufig Personen ab 50 Jahren.
Die laufenden Kosten aller Schädel-Hirn-Verletzungen lagen in den letzten Jahren bei jährlich rund 200 Millionen Franken, davon verursachten die Gehirnerschütterungen 30 Millionen Franken.
Mitarbeitende der Suva spenden für hirnverletzte Menschen
Oft sind Menschen mit schweren und mittelschweren Schädel-Hirn-Traumata auf langjährige Unterstützung und Förderung angewiesen. Die Stiftung Centre Thérapeutique de Jour Neuchâtelois CTJN betreut hirnverletzte Menschen auf ihrem Weg zurück ins Leben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Suva verzichten auch dieses Jahr auf Weihnachtsgeschenke und spenden heute den dafür vorgesehenen Betrag an diese Stiftung.