Zoos abschaffen wegen eines verschluckten Tennisballs?
18.09.2014 | 19:49
Am 21. August 2014 starb im Zoo Frankfurt ein Flusspferdbulle an einem verschluckten Tennisball. Selbsternannte "Tierschützer" und Tierrechtler benützten die Gelegenheit, nicht etwa um den verantwortungslosen Besucher zu verurteilen, der den Tod des Tieres verursacht hatte, sondern um den...
Am 21. August 2014 starb im Zoo Frankfurt ein Flusspferdbulle an einem verschluckten Tennisball. Selbsternannte "Tierschützer" und Tierrechtler benützten die Gelegenheit, nicht etwa um den verantwortungslosen Besucher zu verurteilen, der den Tod des Tieres verursacht hatte, sondern um den Zoo zu kritisieren und einmal mehr die Abschaffung der Haltung populärer Grosstiere oder die Schliessung aller Zoos zu fordern.
Dass das fragliche Flusspferd mit über 39 Jahren ein sehr respektables Alter erreicht hatte (in der Wildbahn wird kaum ein Flusspferd älter als 35 Jahre), dass der Frankfurter Zoo seit 120 (!) Jahren Flusspferde hält, ohne dass es je zu einem vergleichbaren Vorfall gekommen wäre, oder dass die nicht mehr zeitgemässe Flusspferdanlage nicht der Zooleitung anzulasten ist, sondern der Frankfurter Politik, deren jahrzehntelanger Streit darüber, ob man den Innenstadtzoo schliessen und durch einen Aussenzoo ersetzen, oder den Innenstadtzoo behalten und durch einen Aussenzoo ergänzen soll und falls ja, wo denn dieser hinkommen sollte, zu einem Investitionsstau geführt hatte. Dass als seriös geltende Medien solchen Leuten immer wieder eine Plattform bieten und dabei nicht einmal die Zoos als betroffene Einrichtungen zu Worte kommen lassen, stimmt bedenklich.
Nur eine von vielen Pressemitteilungen
Der Tod des Frankfurter Flusspferdbullen ist nur eine von über 50 Pressemitteilungen des Monats August aus 34 VdZ-Mitgliedzoos, die neu auf www.zoodirektoren.de präsentiert werden. Auch Duisburg berichtete über einen schwergewichtigen Abgang, dort musste ein 50 Jahre altes Nashorn wegen rasch zunehmender Altersbeschwerden eingeschläfert werden. Trotz hohen Alters noch munter sind das 54 Jahre alte Flusspferd Tana und eine 27 Jahre alte Giraffe im Opel-Zoo. Dieser konnte auch über Geburten bei Salzkatze, Warzenschwein und Berberaffe berichten.
Der Magdeburger Zoo gab zwei Pressemeldungen über ein weites Spektrum von Geburten heraus. Antilopengeburten meldeten Dresden, Hannover und Herberstein, Robbengeburten Heidelberg, München und Neunkirchen, Affenjunge unterschiedlichster Art gab es in Basel, Duisburg, Nürnberg und Stuttgart, junge Grosskatzen im Tierpark Berlin, in Hannover und in Wuppertal. Der Zoo Wuppertal war auch erfreut über den neunten Afrikanischen Elefanten in neun Jahren und Leipzig über die erste Geburt eines Okapis. Weitere Geburtsanzeigen betrafen u.a. eine Streifenhyäne und Hundskopfboas in Augsburg, verschiedene Vögel in den "Nordseewelten" im Tierpark Bochum, Bantengs in München, Klippschliefer in Stuttgart und Fischotter in Zürich. Nürnberg wartet gespannt auf die Geburt des ersten Atlantischen Tümmlers in der neuen Delphin-Lagune.
Erhaltungszuchtprogrammen
Im Rahmen von Erhaltungszuchtprogrammen wechselten Asiatische Elefanten von Heidelberg nach Zürich sowie von Hamburg nach Leipzig, ferner zwei Malaientiger von Dortmund nach Cottbus. Ein neuer Gorilla-Silberrücken kam aus einer Männergruppe in Polen nach Basel, ein Schneeleopard aus Finnland nach Wuppertal, und Wien begann mit der Haltung der bedrohten Mhorrgazelle. Diese war in der Wildbahn bereits ausgerottet und konnte aus Zoobeständen wieder in Schutzgebieten angesiedelt werden. Ein neues globales Zuchtprogramm wurde für den unmittelbar von der Ausrottung bedrohten Java-Leoparden eingerichtet. Dieses wird gemeinsam vom Tierpark Berlin und einem Zoo in Indonesien koordiniert.
Aktuell an Wiederansiedlungsprojekten beteiligten sich der Opel-Zoo Kronberg mit Moorenten für das Steinhuder Meer und der Allwetterzoo Münster mit einem Gänsegeier für Bulgarien.
Tierschutzgründen
Aus Tierschutzgründen nahmen Görlitz und Straubing Waschbären und Neumünster Nasenbären aus Wildtierstationen in ihre Bestände auf. Neumünster will auch bei der Wiederansiedlung der Europäischen Sumpfschildkröte einsteigen und hat als Erstes ein Schaugehege für diese Tierart gebaut. Neu angeschafft wurden in Augsburg die im Freiland gefährdeten Mohrenmakis und in Nordhorn die in Europäischen Zoos eher seltenen Weissrüsselnasenbären, die eine neue Anlage im Verbund mit Waldbison und Halsbandpekari beziehen konnten. In Osnabrück hat vorerst ein Pantherchamäleon Einzug gehalten. Die Meldung des Tiergartens Schönbrunn, dass er jetzt 28 Arten Quallen pflegt, bot Anlass, das Datenblatt über Schirmquallen in der Abteilung "Tiere in VDZ-Zoos" zu überarbeiten und zu erweitern. Insgesamt werden in dieser Abteilung jetzt 1571 Tierarten in Text und Bild vorgestellt.
Dank einer Spende kann der Zoo Landau Landau jetzt für die Zwecke der Umweltbildung Zooschulbesucher mit Tablet-PCs ausrüsten. Was "verwanzte" Zootiere mit Forschung zu tun haben, erklärt der Krefelder Zoo. In Nordhorn wurde eine Forschungsstudie zum Hörvermögen von Seehunden durchgeführt, und ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Kölner Zoos hat die 10'000. Reptilienart entdeckt. Zoo und Tierpark Berlin werden in Zukunft noch intensiver mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zusammenarbeiten und so Berlin als "Kompetenzzentrum für Artenvielfalt" stärken.
Und zu guter Letzt: Auch Augsburg, Heidelberg und Magdeburg können sich in die Liste der Zoos mit rekordverdächtigen Besucherzahlen einreihen. Da hat der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Deppe wohl recht, wenn er die Anti-Zoo-Politik von NRW-Umweltminister Remmel als wenig zukunftsträchtig anprangert.