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Klassische Kartenspiele liegen im Trend

(Bildquelle: asp)

Von wegen altmodisch: Klassische Kartenspiele sind bei Jung und Alt beliebt. Daran hat auch die zunehmende Verlagerung von Freizeitspaß ins Internet nichts geändert. Im Gegenteil: Weil immer mehr der traditionellen Spiele auch in Browser- oder App-Form zu haben sind, finden die in einer digitalen Welt aufgewachsenen jungen Zocker einen neuen Zugang zu alten Games. Das Vergnügen am Skat dreschen, Jassen, Rommé klopfen und Bridge oder Poker spielen, verbindet seit Jahrhunderten ganze Generationen.

Die belegte Geschichte der Kartenspiele selbst reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Spätestens damals wurden die ersten Spiele in Korea und China, aber auch in den Hochkulturen von Persien und Indien gezockt. Den Weg nach Europa fanden die Kartenspiele über die von Marco Polo etablierte Seidenstraße und den Seeweg im 14. Jahrhundert. Seitdem sind sie aus hiesigen Wirtshäusern, Wohnzimmern und eben auch dem Internet nicht mehr wegzudenken, auch wenn die Bilder auf den Karten lokal variiert wurden.

So alt wie die Spiele sind aber auch Schummelversuche und moralische Bedenken. Die ersten Spielkarten waren auf der Rückseite weiß, so dass Schmutzflecken, Kratzer und mehr als Markierungen genutzt werden konnten. Bedruckte Rückseiten schufen dabei ab dem 15. Jahrhundert fürs Erste Abhilfe, und die Kartenspiele wurden vor allem in Gaststätten und auf Jahrmärkten als Freizeitvergnügen so populär, dass diverse Versuche der Obrigkeit, das Zocken zu verbieten und so die unteren Schichten vor sich selbst zu schützen, nur wenig Erfolg hatten.

Die deutsche Stadt Ulm entwickelte sich zu einem der Zentren der Spielkartenherstellung, wobei es nur wenige Abweichungen gab, die die verschiedenen Herkunftsorte der Decks erkennen ließen. Die Karten wurden bis nach Frankreich, Italien und Spanien exportiert. Die klassischen Bilder haben sich ebenfalls bis heute gehalten, so dass Joker oder Buben, Damen und Könige aus dem Rokoko oder Barock noch heute eindeutig erkennbar sind.

So eng verwandt wie die Symbole sind in der westlichen Welt auch die Spiele an sich. Das in der Schweiz populäre Jass ist zum Beispiel im letzten Drittel des 18. Jahrhundert von niederländischen Söldnern über die Alpen gebracht worden. Das Spiel mit 36 Karten verdrängte schnell das bis dahin mit Vorliebe gezockt Tarot, das wiederum von schweizerischen und französischen Söldnern aus Oberitalien mitgebracht worden war. Regionale Unterschiede machen Jass zu einem auch für Historiker und Regionalforscher interessanten Studienobjekt. So wird etwa nur noch in Visperterminen und in Surselva wie in den Anfängen mit 78 Karten gezockt, die zudem die italienischen Farbzeichen Pokal, Münze, Schwert und Stab behalten haben.

Gegen den Uhrzeigersinn, also rechtsherum, wird nur in der Schweiz gejasst, genau wie hier auch rechtsherum gemischt und ausgeteilt wird. In den meisten anderen Ländern wird linksherum gejasst. Was den Schweizern ihr Jass ist, ist den Deutschen das Skatspiel. Die Begeisterung für das Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem traditionellen Schafskopf entstandene strategische Kartenspiel für drei oder vier Leute wurde von dem Schriftsteller Kurt Tucholsky treffend beschrieben: “Wenn dem Deutschen so recht wohl ums Herz ist, dann singt er nicht. Dann spielt er Skat.”

Als Heimat des auf Köpfchen und Glück beruhenden Spiels gilt die thüringische Stadt Altenburg, die überhaupt seit dem 15. Jahrhundert zu den Sitzen der ersten Spielkartenmachern der Welt gehört. Wie einst die niederländischen Söldner Jass in die Schweiz eingeführt haben, so brachten deutsche Auswanderer ihr Skatspiel in die neue Heimat mit, wobei sich auch online immer neue Freunde fürs Reizen und Stechen finden.

Ebenfalls durch Auswanderer ist das Pokerspiel entstanden. Französische und später deutsche Einflüsse vermischten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA, bis daraus ein eigenes Spiel entstanden war. Das Ergebnis gilt als so uramerikanisch gilt wie die Westernfilme, in denen Pokern zu Saloon Szenen einfach dazu gehört. Von den USA aus wurde das Spiel dann wiederum vor allem nach Europa exportiert, wobei Poker online mittlerweile an Beliebtheit mit dem echten Tisch-Spiel durchaus mithalten kann.

Während Spiele wie Skat und Poker etliche Zeit ein eher raues Image hatten, gilt Bridge als ein Spiel der feineren Gesellschaft. Das liegt vor allem an seiner Geschichte. Während viele Kartenspiele von den einfachen Leuten gezockt wurden, ist Bridge aus dem höfischen Whist entstanden. Vor allem Englands Adel bekam im 17. Jahrhundert nicht genug von dem Spiel, bei dem jeder Spieler mit 13 Karten möglichst viele Punkte machen musste. Von der britischen Insel aus verbreitete sich das Spiel rasch bis in den Mittleren Osten und das Osmanische Reich, wo es im 18. und 19. Jahrhundert mit Begeisterung gezockt wurde. Wie die meisten Spiele erfuhr auch Whist je nach Land Veränderungen. In Frankreich entwickelte sich daraus Plafond, bei dem zum ersten Mal vorab angesagt werden musste, wie viele Stiche ein Spieler erreichen würde.

Bridge in seiner heutigen Form wird seit den 1930er Jahren gespielt, wobei Großbritannien und die Länder des Commonwealth weiter als Hochburg gelten.

Rommé (oder Rummy, wie es noch heute in Österreich heißt), wird seit dem frühen 20. Jahrhundert gespielt, Ursprünglich war es nur für zwei Personen gedacht, was es auch fürs Online-Spiel ideal macht. Aber auch in einer größeren Runde kann Rommé gespielt werden. Dabei gibt es regionale Unterschiede im Regelwerk, was das Klopfen, Karten aufnehmen und anlegen angeht. In Deutschland ist Rommé eines der beliebtesten Kartenspiele geworden. Der deutsche Skatverband hat sogar eine eigene Romméabteilung gegründet, und seit 2007 gibt es eine eigene Romméolympiade mit striktem Regelwerk.

Aber auch weniger komplizierte Kartenspiele sind längst fester Bestandteil der heimischen Kultur, Das fängt im Kindesalter an. Kaum ein Knirps im deutschsprachigen Raum, der sich nicht mit den Eltern oder Großeltern beim Mau Mau amüsiert hat. So einfach das lustige Ablegespiel auch zu erlernen ist, so spannend bleibt es durchs Karten aufnehmen, aussetzen, und vor allem im richtigen Moment Mau oder Mau Mau anzukündigen.

Immer wieder gern gespielt ist auch Schummelliesschen. Hier ist Schummeln nicht nur erlaubt, sondern das falsche Ansagen von Kartenwerten ist sogar erwünscht. Allerdings gehört einiges an Selbstbeherrschung dazu, die Lüge überzeugend zu verkaufen und ein echtes Pokerface zu entwickeln.

Schwarzer Peter ist ein weiterer Klassiker, der bereits mit den jüngsten Zockern gespielt werden kann. Gespielt wird es mit 15 Kartenpaaren und einem Joker, dem Schwarzen Peter. Die Zocker ziehen Reihum aus der Hand des Spielers neben oder gegenüber sich eine Karte. Können sie ein neues Paar bilden, wird dieses abgelegt, bis nur der Schwarze Peter übrigbleibt.

Auch neue Spiele kommen regelmäßig dazu, wobei die Klassiker dennoch ihren Platz in der Spielesammlung behalten. So wie alte Spiele ihren Weg ins Internet gefunden haben, so haben andere Games ihre Ursprünge in der virtuellen Welt. Das Fantasy-Kartenspiel Hearthstone, das weltweit Millionen von Fans besitzt, existiert zumindest bislang offiziell nur als Videogame. Doch wie sich längst gezeigt hat, existieren Online-Spiele nicht nur mühelos Seite an Seite mit den echten Spielen, sie können auch auf jeder Plattform neue Freunde für alte Bekannte finden.