Quecksilberbelastung in Walliser Gärten nicht genügend untersucht

(Bildquelle: infoticker)

Sie hätten die Quecksilberbelastung in den meisten Gärten entlang des Grossgrundkanals untersucht, gaben Lonza und das von ihr beauftrage Büro BMG im Mai 2014 bekannt. Nachmessungen der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) und des WWF Oberwallis in einem dieser Gärten legen nun aber nahe:...

Sie hätten die Quecksilberbelastung in den meisten Gärten entlang des Grossgrundkanals untersucht, gaben Lonza und das von ihr beauftrage Büro BMG im Mai 2014 bekannt. Nachmessungen der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) und des WWF Oberwallis in einem dieser Gärten legen nun aber nahe: Lonza und BMG haben nicht gründlich genug untersucht und das tatsächliche Ausmass der Quecksilberbelastung nicht erfasst.

Lonza und BMG sind bei der Untersuchung der Gärten nach formalen Kriterien vorgegangen. Sie haben die Quecksilberbelastung pro Garten ausschliesslich auf einer zufällige ausgewählten Fläche von 10 x 10 Metern bis in eine Tiefe von 40 Zentimetern kontrolliert bzw. gemessen. Lonza und BMG haben aber nicht abgeklärt ob auch in grösserer Tiefe eine Quecksilber-Verschmutzung vorliegt. Ebenso wenig haben sie untersucht, ob die restlichen Flächen eines Gartens belastet sind. So aber erfassen Lonza und BMG keinesfalls das tatsächliche Ausmass der Belastung der Gärten, wie Nachmessungen von AefU und WWF Oberwallis in einem dieser Gärten befürchten lassen.

Quecksilber dort gefunden, wo Lonza und BMG nicht gesucht haben

Zwar haben Lonza und BMG in diesem Garten auf der untersuchten Fläche Quecksilber nachgewiesen und sie als sanierungsbedürftig eingestuft. Allerdings: Die Resultate von AefU und WWF Oberwallis sind in einer Tiefe von 30-40 Zentimeter rund 25 Prozent höher als von Lonza bzw. BMG gemessen. Die AefU und der WWF Oberwallis aber haben vor allem dort punktuell nachgemessen, wo es Lonza und BMG nicht gemacht haben. So hat das Institut Forel der Universität Genf auf derselben Fläche wie Lonza bzw. BMG Proben genommen, allerdings aus einer Tiefe von 60 bis 80 cm. Dort, wo also Lonza und BMG nicht nachgeschaut haben, weist das Institut Forel 57 Milligramm Quecksilber pro Kilo Erde (mg/kg) nach. Der Sanierungsgrenzwert von 5 mg/kg ist somit rund elf Mal überschritten.

Lonza und BMG: Rund 2/3 der Fläche des Gartens nicht untersucht

Doch damit nicht genug: Wie erwähnt haben Lonza und BMG pro Garten ausschliesslich eine Fläche von 10 x 10 Metern beprobt. Das bedeutet bezogen auf den Garten, den die AefU und der WWF Oberwallis unter die Lupe genommen haben: Lonza und BMG haben rund zwei Drittel nicht untersucht. Deshalb haben AefU und WWF Oberwallis auch dort Proben genommen, wo es Lonza und BMG nicht getan haben.

Quecksilber an der von den HausbewohnerInnen am meisten genutzten Stelle des Gartens

So z.B. gerade beim Hausausgang in den Garten. Dort halten sich die BewohnerInnen der Liegenschaft am meisten auf. Auf diesem Vorplatz dürften sie somit allfälligen Quecksilberemissionenam meisten ausgesetzt sein. Das Institut Forel hat an der Oberfläche (0-10 cm) dieses Vorplatzes 27 mg/kg Quecksilber nachgewiesen. Damit ist der Sanierungsgrenzwert rund fünf Mal überschritten. Welchen Mengen Quecksilber die BewohnerInnen ausgesetzt waren bzw. sind, ist unklar.

Die Nachmessungen von AefU und WWF Oberwallis zeigen, dass Lonza und BMG bei den Untersuchungen der Gärten wichtige Quecksilber-Belastungen nicht erfasst haben. Besteht bei Lonza wirklich der Wille, das Quecksilberproblem umfassend und transparent anzugehen?

AefU und WWF Oberwallis fordern:

  • Der Kanton Wallis soll unter Einbezug der IG Quecksilber, der AefU und des WWF Oberwallis einen unabhängigen Fachrat berufen. Dieser "Unabhängige Fachrat Quecksilber" organisiert die Untersuchungen fachgerecht und gibt sie in Auftrag. Danach erteilt er so schnell wie möglich die Aufträge an Sanierungsfirmen, um das Quecksilber vollständig aus den Gärten, sowie von den Spiel- und Sportplätze auf Kosten von Lonza zu entfernen.
  • Finanziert von Lonza soll der Kanton Wallis zudem systematische Untersuchungen der Bevölkerung (epidemiologische Studien) sowie der Umwelt durch unabhängige Institutionen durchführen.