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Schutz und Rettung Bern – Neuorganisation ist ein Erfolg

Schutz und Rettung Bern – Bilanz des Jahres 2020
Schutz und Rettung Bern – Bilanz des Jahres 2020 (Bildquelle: Kantonspolizei Bern)

Am 1. Januar 2020 starteten Feuerwehr, Sanitätspolizei und Zivilschutz der Stadt Bern unter dem gemeinsamen Dach von Schutz und Rettung Bern in ihr erstes Jahr als neue Rettungsorganisation. Diese hat sich bewährt, auch angesichts der Bewältigung der Corona-Pandemie. Die Einsatzzahlen bewegen sich im letzten Jahr auf dem Niveau der Vorjahre: Die Berufsfeuerwehr leistete 2352 Einsätze (+ 2,79 Prozent), die Sanitätspolizei leistete 21'954 Einsätze (- 1,94 Prozent).

Das vergangene Jahr stand bei Schutz und Rettung Bern im Zeichen der Umsetzung neuer Strukturen und Prozesse für die seit dem 1. Januar 2020 operative Rettungsorganisation. Die erste Bewährungsprobe stellte sich bereits mit der Bewältigung der Corona-Pandemie ein. Einerseits, weil Mitarbeitende oder deren Angehörige an COVID-19 erkrankten, andererseits, weil insbesondere die Sanitätspolizei ganz direkt mit dem Coronavirus konfrontiert war, namentlich beim Transportieren von COVID-19-Patient/innen. Die Aufrechterhaltung des Betriebs von Schutz und Rettung Bern als systemrelevante Organisation stand im Mittelpunkt aller intern getroffenen Massnahmen. Es wurde alles darangesetzt, Abläufe so zu gestalten, dass den Mitarbeitenden und den Kund/innen grösstmögliche Sicherheit und der beste Schutz vor einer Erkrankung mit dem Coronavirus gewährleistet werden konnte. Die getroffenen Massnahmen verlangten grosse Flexibilität von allen Mitarbeitenden, sei es bei der Dienstplanung, bei der Aus- und Weiterbildung, beim Anpassen interner Arbeitsabläufe, beim Homeoffice oder Ausrücken und ganz generell beim Zusammenleben in einem 24-Stunden-Betrieb. Auch im Umgang mit Patient/innen waren neue Prozesse und Massnahmen gefragt. So unterstützten Angehörige der Berufsfeuerwehr beispielsweise die Sanitätspolizei bei Einsatzfahrten mit COVID-19- Patient/innen, indem sie als Fahrpersonal aushalfen und Angehörige des Zivilschutzes desinfizierten die Einsatzfahrzeuge und Räumlichkeiten der Sanitätspolizei fortlaufend.

Statistik Feuerwehr

Die Berufsfeuerwehr von Schutz und Rettung Bern rückte im vergangenen Jahr zu insgesamt 2352 (2019: 2288) Interventionen aus. Dies sind 64 Einsätze oder 2,79 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Einsätze liegt im 10-Jahresdurchschnitt (2262). Die Vorgaben der Stadt Bern sehen vor, dass die Berufsfeuerwehr gleichzeitig ein mittleres und ein kleines Ereignis bewältigen kann. Grössere, länger andauernde und / oder mehrere gleichzeitige Ereignisse führen dazu, dass zusätzlich Angehörige der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bern oder der Nachbarfeuerwehren aufgeboten werden. 2020 erforderte die Bewältigung von 64 Ereignissen (2019: 73) die Alarmierung zusätzlicher Feuerwehrleute: Es wurden 27 Mal (2019: 47) dienstfreie Angehörige der Berufsfeuerwehr, 15 Mal (2019: 33) Angehörige der Nachtwache und 22 Mal (2019: 37) Angehörige des Brandcorps aufgeboten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Milizfeuerwehreinheiten Brandcorps und Nachtwache jeweils einzeln aufgeboten, um eine Durchmischung der Mannschaften zu verhindern. Aufgrund dieser Massnahme erfolgten für die einzelnen Feuerwehrcorps weniger Alarmaufgebote als im Jahr 2019.

Brände

Von den insgesamt 291 (2019: 249) Brandfällen betrafen 244 (2019: 202) das Gemeindegebiet Bern. Bei 47 (2019: 47) Bränden auf dem Kantonsgebiet kam die Berufsfeuerwehr zur Verstärkung der jeweiligen Ortsfeuerwehr zum Einsatz. In 642 (2019: 637) Fällen rückte die Feuerwehr aufgrund automatischer Alarmmeldungen aus.

Hilfe- und Dienstleistungen

Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Hilfeleistungen (Personen- und Tierrettungen, Schnee-, Wasser-, Sturm- und Blitzschäden, technische Hilfeleistungen, Insekten etc.) zu auf 1350 (2019: 1288) Einsätze. Davon entfielen 1152 (2019: 1060) auf das Gebiet der Stadt Bern, ausserhalb der Gemeindegrenzen waren es 198 (2019: 228) Hilfeleistungen. Zugenommen haben die Einsätze bei Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen, was die Zunahme der Hilfeleistungen relativiert. 334 (2019: 256) Schwärme wurden eingefangen, umgesiedelt oder vernichtet. 75 (2019: 71) Bienenschwärme wurden eingefangen und der Schwarmsammelstelle übergeben. Mit 22 Einsätzen waren die Interventionen bei schweren Verkehrsunfällen mit Verletzten und Toten gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig (2019: 23). 103 Einsätze betrafen Personen- und Tierrettungen bzw. -befreiungen (2019: 123). Solche Einsätze werden von Spezialisten der Berufsfeuerwehr geleistet; sei es als Höhen- und Tiefenretter, als Rettungsspezialist Helikopter oder bei Grosstierrettungen mit speziellem Gerät. Feuerwehr Region Bern Im Rahmen der Feuerwehr Region Bern hat die Feuerwehr der Stadt Bern die Zusammenarbeit mit den Nachbarfeuerwehren weiter vertieft. Im Feuerwehrmagazin Ostermundigen sind von Montag bis Freitag, jeweils 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr, sechs Angehörige der Berufsfeuerwehr stationiert. Sie stellen im Ereignisfall zusammen mit der entsprechenden Gemeindefeuerwehr die Tagesverfügbarkeit für Ostermundigen, Bolligen, Allmendingen-Muri-Gümligen (AMG) sowie den Osten Berns sicher. Bereits seit Sommer 2018 unterstützt die Berufsfeuerwehr mit einem Element tagsüber die Feuerwehr Bolligen beim Ausrücken und stellt so die Tagesverfügbarkeit sicher.

Per

  1. Januar 2021 schloss sich die Feuerwehr Bolligen der Feuerwehr der Stadt Bern an. Dieser vertieften Zusammenarbeit unter dem Dach von Schutz und Rettung Bern stimmte das Bolliger Stimmvolk am 13. Dezember 2020 mit 94 Prozent Ja-Stimmen zu. Für die Feuerwehr Bolligen bleibt die Kompanieautonomie gewährt. Sie kommt neben dem Brandcorps und der Nachtwache als eigenständiges Milizelement zum Einsatz.

Statistik Sanitätspolizei

Im letzten Jahr rückte die Sanitätspolizei von Schutz und Rettung Bern im Durchschnitt täglich 60 Mal (2019: 61) aus und leistete damit total 21'954 (2019: 22'388) Einsätze. Davon waren 15'826 (2019: 16'379) Primärtransporte, also Einsätze zur Erstversorgung von Patient/innen am Einsatzort und gegebenenfalls Transport zur weiteren Behandlung in ein Spital. Weiter wurden 2882 (2019: 3122) Sekundärtransporte durchgeführt. Dabei handelt es sich um Verlegungstransporte von Patient/innen nach der Erstbehandlung von Spital zu Spital. Die restlichen 3246 (2019: 2887) Einsätze waren Dienstleistungen, die sich in Sicherungsdienste, Wasserrettung, sanitätsdienstliche Hilfeleistungen, Dienst- und Pikettfahrten oder Notarztzubringer aufteilen. Die Einsatzfahrzeuge legten insgesamt 537'780 (2019: 585'145) Kilometer zurück.

Einsatzfristen

Das Einsatzgebiet der Sanitätspolizei umfasst neben der Stadt Bern 37 weitere Gemeinden in der Region Bern. Im gesamten Einsatzgebiet war die Sanitätspolizei bei Einsätzen, in welchen auf Grund der Notrufmeldung von einer akuten Lebensgefahr ausgegangen werden musste, in 94 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten vor Ort. Damit werden die kantonalen Vorgaben übertroffen: Die Richtlinien der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) des Kantons Bern verlangen, dass in 80 Prozent aller Primär- und Sekundärtransporte innerhalb von 30 Minuten ein Einsatzmittel vor Ort sein muss. Obwohl die Sanitätspolizei die verlangten Hilfsfristen sehr gut einhält und teilweise übertrifft, wiesen je nach Witterungsverhältnissen und Verkehrssituationen einzelne Gemeinden in der Region Belp längere Hilfsfristen auf. Um eine noch bessere Versorgung in diesem Gebiet zu ermöglichen, startete die Sanitätspolizei zusammen mit dem Rettungsdienst der Insel Gruppe AG im Januar 2020 einen Pilotversuch mit einem gemeinsamen Warteraum im Magazin der Feuerwehr Regio Belp. Ab dem Warteraum Belp wurden 2020 total 783 Einsätze (Sanitätspolizei: 434) gefahren. 669 Einsätze waren sogenannte Primärtransporte (Sanitätspolizei: 396). Bei über 40 Prozent bzw. 287 dieser Primärtransporte (Sanitätspolizei: 176 Einsätze) handelte es sich um Notfälle mit höchster Dringlichkeit, also Einsätze, bei welchen eine Beeinträchtigung der Vitalfunktionen (Atmung, Kreislauf, Bewusstsein) gemeldet wurde. Die durchschnittlichen Hilfsfristen verkürzten sich 2020 in der Gemeinde Belp deutlich auf neu zirka fünf Minuten.

Statistik Zivilschutz

Der Zivilschutzorganisation ZSO Bern plus gehören neben der Stadt Bern die Gemeinden Bremgarten, Deisswil, Diemerswil, Frauenkappelen, Münchenbuchsee, Wiggiswil und Zollikofen an. Aufgrund der Corona-Pandemie und deren Bewältigung konnten die Wiederholungskurse in allen Fachbereichen nicht gemäss der Kurs - und Dienstleistungsplanung 2020 durchgeführt werden. Total wurden 2020 1472 (2019: 2349) Diensttage geleistet. Dabei leistete die ZSO Bern plus während 115 Diensttagen (2019: 216) Einsätze zu Gunsten der Gemeinschaft. Einerseits standen die Milizangehörigen während des Lauberhornrennens anfangs Januar 2020 im Einsatz (66 Diensttage), andererseits wurde ein Einsatz während des Radcross -Weltcups im Oktober 2020 im Weyermannshaus Bern (49 Diensttage) absolviert.

Total 587 Einsatztage wurden zur Bewältigung der Corona-Pandemie geleistet. Die Tätigkeiten wurden hauptsächlich zu Gunsten der Sanitätspolizei von Schutz und Rettung Bern (Desinfektion von Einsatzfahrzeugen nach Transport von COVID-19- Patient/innen, Desinfektion von Räumlichkeiten) und des Krisenstabs COVID des Inselspitals durchgeführt.

Statistik Einquartierungen und Schiessbetrieb

Der Bereich Logistik und Infrastruktur von Schutz und Rettung Bern betreut 55 Bauten wie zum Beispiel die Zivilschutzanlage Mingerstrasse. 2020 wurden in diesen Bauten 325 zivile (2019: 1832) und 1882 militärische (2019: 10'400) Einquartierungen organisiert. In der Schiessanlage Riedbach wurden im letzten Jahr 40 Schiessanlässe (2019: 120) durchgeführt. Das Obligatorische Schiessen absolvierten dabei 270 Personen (2019: 933), am Feldschiessen nahmen 322 Personen (2019: 481) teil. Der massive Rückgang der Zahlen ist auch hier auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Das Ausbildungsgelände Gäbelbach bietet den Blaulicht- und Zivilschutzorganisationen wie auch der Armee vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten – so trainiert dort die Polizei ihre Diensthunde, Feuerwehren nutzen den Übungsplatz für Ausbildungen am Feuer und Dritte besuchen die Handfeuerlöscher-Kurse. Die meisten dieser Tätigkeiten wurden wegen der Corona-Pandemie allerdings ins 2021 verlagert.