Ambri – Übergangssaison mit Fragezeichen
01.08.2017 | 03:00
Irgendwie liebt jeder das kleine Dorf am Gotthard. Urchige Bewohner, wunderbare Landschaften und ein Klub der seit Jahren immer wieder um die Existenz kämpft.
Die finanziellen Grundlagen sind in der Leventina nicht besser gewordenen. Oft schrammt der Klub am Gotthard am Lizenzentzug vorbei. Den Verantwortlichen gelingt der Spagat zwischen den Einnahmen und Ausgaben in der Zwischenzeit etwas besser. Gewinne kann Ambrì dennoch nicht einstreichen. Ein Unterhalt einer Mannschaft im Profisport kostet in der heutigen Zeit Millionen. Millionen die Ambrì nur dank Sponsoren, Gönner und Donatoren zusammenbringt. Diese wollen am Ende des Tages jedoch den Erfolg. Erfolg den es in Ambrì schon lange nicht mehr gegeben hat.
Das Duo Cereda/Duca ist die Zukunft
Den Erfolg suchen, dies wollen die beiden neuen Verantwortlichen der ersten Mannschaft. Beide sind ehemalige Spieler mit Kultstatus. Luca Cereda und Paolo Duca. Während der erstere wegen eines Herzfehlers das Eishockey aufgeben musste, trat der letztere Ende Saison zurück. Cereda soll den Turnaround auf dem Eis erreichen. Paolo Duca soll ihm die Voraussetzungen schaffen. Beide wissen um die schwere Aufgabe. Dass sie diese Herausforderung angenommen haben spricht für sie.
Luca Cereda gibt den Weg vor. Folgen ihm die Spieler?
Zwei Ausländer mit Zielen – ein dritter mit Fragezeichen
Mit Matt D'Agostini, der eine Lohneinbusse hinnimmt, und mit Cory Emmerton konnten die beiden wichtigsten ausländischen Spieler gehalten werden. D'Agostini will Ambrì beweisen, dass er der Spieler ist, den sie so sehr benötigen. Emmerton will zeigen, dass er kein einmal Wunder ist. Er will mit Ambrì die Playoffs erreichen.
In der Verteidigung wurde mit Nick Plastino ein italienisch-kanadischer Doppelbürger verpflichtet. Der Fan fragt sich, welche Eigenschaften dieser Verteidiger hat. Er ist ein guter Powerplay Spezialist, versteht es, das Spiel zu lesen und in Überzahl dieses zu Orchestrieren. Wer einen Eric Blum in ihm erwartet liegt jedoch falsch. Er gleicht eher einem Timo Helbling. Ein Verteidiger, der weiss was er tut und dem Gegner das eine oder andere Mal unter die Haut geht.
Nick Plastino - ein Verteidiger mit Stärken
Alles Benjamin Conz?
Mit dem Abgang von Sandro Zurkirchen ging einer der Meist unterschätzten Torhüter zum Liga Konkurrenten Lausanne. Für ihn verpflichtete Ambrì Benjamin Conz von Fribourg. Dieser hat nun die Gelegenheit aus Ambrì ein Team mit Winner Mentalität zu machen. Bis anhin hatte der Torhüter mit seinen Teams meistens Pech. Der einzige Ort an dem sich Conz wohlfühlte und das nötige Vertrauen in seine Arbeit ausgesprochen bekam, war in Langnau. Dort zeigte er, zu was er fähig ist.
Ich erwarte, dass er dies in gleicher Form auch im Tessin macht. Er ist ein beweglicher, schneller Torhüter, der sich zwischen den Pfosten schnell verschiebt und das Spiel gut lesen kann. Seine einzige Schwäche ist, dass er unter Druck scheitert. Diesen Druck hat er in der Leventina nicht.
Gauthier Descloux kann Conz fordern und ihm die Nummer Eins streitig machen
Als zweiter Torhüter wäre Gauthier Descloux vorgesehen gewesen. Dieser wurde von Genf, wegen der Verletzung von Robert Mayer, zurückgeholt. Geplant ist, dass Descloux nach acht Wochen wieder in die Leventina zurückkehrt. Sobald dieser in der Leventina eintrifft, wird das Duell auf der Tohüterposition wirklich beginnen. Wer wird dann das Rennen um die Nummer Eins für sich entscheiden?
Marco Müller und Evgeni Chirajev - ein versprechen für die Zukunft
Mit dem Abgang von Center Jason Fuchs mussten die Leventiner valablen Ersatz suchen. Sie fanden diesen in zwei Spielern, die in ihren Teams nicht mehr Platz hatten. Mit Marco Müller kommt ein Spieler mit ausgezeichneten läuferischen Fähigkeiten und einer ausgezeichneten Spielübersicht. Er kann sowohl als Center als auch als Flügel eingesetzt werden. Zudem ist er am Bully stark. Müller versteht es das Spiel zu lesen und nimmt selten Strafen.
Marco Müller wird an der Seite der Ausländer Verantwortung bekommen
Chirajev ist ein guter Läufer welchem die russische Schule anzusehen ist. Einmal an der Scheibe, ist er kaum zu schlagen. Er kann den Gegner in der Offensive schwindlig laufen. Einziger Nachteil ist die Arbeit nach hinten. Diese ist bei ihm ein negativer Punkt an dem er arbeiten muss.
Evgeni Chiraiev muss am defensiven Spiel arbeiten
Weiter hat Ambrì in die Zukunft investiert. Mit Dominik Zwerger, John Fritsche und Luca Valenza kamen junge Spieler mit viel Entwicklungspotenzial. Dies ist die neue Aufgabe Ambrìs. Junge Spieler entwickeln und fördern.
Ich gehe nicht davon aus, dass die drei letztgenannten Spieler bereits in diesem Jahr in der National League spielen werden und einen Stammplatz erhalten. In Biasca werden sie langsam an das schnellere Spiel herangeführt und in der Folge immer zur einen oder anderen Einsatzmöglichkeit in der obersten Liga kommen.
Das Fazit - Ein Übergangsjahr mit vielen Variablen
Auf der Tohüterposition ist Ambrì überdurchschnittlich gut besetzt. Dies mag auf den ersten Blick erstaunen. Mit Benjamin Conz und Gauthier Descloux kann Luca Cereda zwei gleichwertige Torhüter einsetzen. Die beiden werden sich gegenseitig anstacheln. Dies wird zu guten Leistungen auf dem Eis führen. In der Verteidigung sehe ich ein Manko an Härte und Beweglichkeit. Sie könnte in diesem Jahr die Achillessehne im Team sein.
Im Sturm ist mit Matt D'Agostini und Cory Emmerton ein gefährliches Duo auf dem Eis. Die beiden werden mit Marco Müller oder Evgeni Chirajev zusammen spielen. In der zweiten Linie könnte Peter Guggisberg auflaufen. Der Langnauer konnte das letzte Jahr seine Stärken nicht ausspielen, behinderte ihn doch immer wieder eine Verletzung am Knie. In diesem Jahr sollte Guggisberg wieder fit sein.
Einen vierten Ausländer fehlt in Ambrì zur Zeit. Es kann ein Verteidiger oder ein Stürmer werden. Beide Positionen sind aus meiner Sicht noch unterbesetzt. Paolo Duca wird sich Zeit lassen und die Position im Verlaufe des Augusts oder September definitiv vergeben.