Blinder Grundwasserfisch entdeckt
14.10.2016 | 15:48
Im Irak lebt eine neue Art Eidinemacheilus proudlovei ohne Augen und Schuppen. Die Fische wurden an die Erdoberfläche gespült.
Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin haben mit Kollegen des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere eine neue, unterirdisch lebende, blinde Schmerlenart aus dem Irak entdeckt.
Diese Art ist die zweite Spezies einer erst kürzlich aufgestellten Schmerlengattung. Extreme Regenfälle im März 2016 hatten die Tiere mit dem offiziellen wissenschaftlichen Namen Eidinemacheilus proudlovei aus dem Untergrund an die Erdoberfläche gespült.
Grosse genetische Unterschiede
Beim Vergleich der morphologischen Merkmale mit denen des einzig bekannten anderen Vertreters der blinden Schmerlen aus dem Mittleren Osten, erstellten die Forscher den DNA-Barcode. Die Kombination der Befunde zum Körperbau und die grossen genetischen Unterschiede zu allen anderen Fischarten haben gezeigt, dass es sich um eine neue Fischart handeln muss, die womöglich zum ersten Mal überhaupt lebend gesehen wurde.
"Eidinemacheilus proudlovei hat keine Augen und Schuppen, seine Haut weist keinerlei Farbpigmente auf. Wahrscheinlich weiden die Tiere Bakterienfilme an den Höhlenwänden ab, doch zur Biologie dieser ungewöhnlichen Schmerle ist natürlich nichts bekannt und wird auch wohl nichts bekannt werden", verdeutlicht der Berliner Leibniz-Fischforscher Jörg Freyhof.
Staudämme bedrohen Lebensraum
Die Fische bleiben im Untergrund unerreichbar. Das Besondere an der neuen Art ist neben den äusserst ungewöhnlichen Umständen des Fundes auch der Fundort. Unterirdisch lebende Fische sind heute bedroht, insbesondere von Staudammprojekten, bei deren Realisierung die Lebensräume dieser spezialisierten Lebewesen verlorengehen.
"Das Problem besteht auch in Europa, wo unterirdisch lebende Tierarten durch Staudammprojekte massiv gefährdet sind, vor allem in Kroatien und Bosnien-Herzegowina", unterstreicht Freyhof abschliessend.