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Erstmals Wurzelmundquallen im Zoo Basel

(Bildquelle: infoticker)

Neu ist im Vivarium die Gepunktete Wurzelmundqualle (Rhizostoma punctata) ausgestellt, eine der schönsten Quallenarten überhaupt. Ihre bläulich schimmernde Oberfläche ist mit leuchtend weissen Punkten überzogen. Die Quallen werden hinter den Kulissen im Vivarium gezüchtet.

Ein Novum für den Zolli sind die seit Mitte November in Aquarium Nummer 19 ausgestellten Wurzelmundquallen. Die Gepunktete Wurzelmundqualle hat - völlig einzigartig - eine Art von innerer Befruchtung erfunden: Ihre Eier werden nicht wie bei Quallen üblich ins freie Wasser abgegeben, sondern im Magenraum (!) der Mutter zurückbehalten.

Über ihren Wurzelmund strudelt die Qualle mit einer einwärts gerichteten Strömung Spermien in den Magenraum, die die Eier befruchten. Die Eier entwickeln sich geborgen im Inneren der Qualle. Erst nach Tagen entlässt die Quallenmutter fix-fertige Polypen aus ihrem Magen, die zum Meeresgrund absinken und nun dort weiterwachsen.

Komplizierte Fortpflanzung

Quallen haben einen komplexen Lebenszyklus: Sie durchlaufen zwei komplett unterschiedliche Lebensstadien, nämlich das sogenannte Medusenstadium - ein frei schwimmendes und oft durchscheinendes Tier, das wir frei von der Leber als "die Qualle" bezeichnen würden, und den sogenannten Polypen, der, völlig unscheinbar und nur drei Millimeter gross, festgewachsen auf dem Meeresgrund lebt. Der winzige Polyp vermehrt sich zunächst bloss durch Teilung und erstellt so von sich selbst eine Unzahl von Kopien.

Bei wechselhaften Umweltbedingungen, beispielsweise schwankenden Temperaturen oder unregelmässigem Nahrungsangebot, erzeugen sie plötzlich "Knospen", die sich vom Polypen lösen und sich zu frei treibenden Medusen entwickeln. Die Medusen wiederum produzieren normalerweise - anders als die Wurzelmundqualle - Eier und Spermien und geben sie direkt ins Umgebungswasser ab. Aus den Eiern entwickeln sich treibende Larven, die absinken und später am Meeresgrund wieder zu fest sitzenden Polypen werden.

Schönes Ärgernis

Die Gepunktete Wurzelmundqualle hat ein sehr mildes Gift und ist für Menschen ungefährlich. Sie ist ein recht robustes Meerestier und erträgt auch starke Salzgehalt- oder Temperaturschwankungen problemlos. Vielleicht macht sie diese Robustheit und die besondere Fortpflanzungsstrategie vielerorts zu einer Plage. Sie kann in riesigen Schwärmen auftreten und grosse Schäden anrichten.

Für Fischer sind die Planktonfresser ein Ärgernis, weil sie dasselbe Futter wie Jungfische fressen, und sie verursachen Verklumpungen in Fischernetzen, Verstopfungen von Kühlwassereinlässen von Schiffen oder sogar Kernkraftwerken (schon einige mussten in den letzten Jahrzehnten zwischenzeitlich abgeschaltet werden).

Die ursprüngliche Heimat der Wurzelmundqualle ist Australien und Thailand. Sie wurde seit Mitte des letzten Jahrhunderts in vielen Meeresgebieten heimisch, in denen sie vorher nicht vorkam. Vermutlich wurden Polypen in Ballastwassertanks oder auf Schiffsrümpfen durch die Weltmeere mitgetragen. So findet sie sich seit 1945 um Hawaii, seit den 1960-er Jahren im Mittelmeer und seit 2000 im Golf von Mexiko.