Nachwuchs bei den Kudus im Zoo Basel
10.05.2017 | 13:07
Im Zoo Basel ist der zur "Blutauffrischung" aus Amerika importierte Kudu-Bock Leopold erstmals Vater geworden. Seine Tochter Onana trinkt noch bei der Mutter, knabbert aber bereits etwas feste Nahrung.
Onana, die Tochter von Jina (4) und Leopold (3), kam in der Nacht auf den 22. März im Antilopenhaus zur Welt. Sie wog bei der Geburt rund fünf Kilogramm und entpuppte sich als sehr aktives Junges, das gerne herumspringt. Wie es für Kudu-Junge typisch ist, hat Onana grosse, braune Augen und riesige Ohren.
Zurzeit ist sie im Stall zu sehen. Bis sie die Aussenanlagen kennenlernen kann, muss sie noch üben, ihrer Mutter zu folgen. Auch wegen des nasskalten Wetters war es bisher noch zu früh, um sich mit der Gruppe nach draussen zu wagen.
Abliegerphase vorbei
In den Tagen nach der Geburt war von Onana kaum etwas zu sehen. Als sogenannte Ablieger liegen Kleine Kudus versteckt an einem sicheren, geschützten Ort und die Mutter sucht ihr Junges nur alle paar Stunden zum Säugen und zur Körperpflege auf. Mitte April stellte der Tierpfleger das nahende Ende der Abliegerphase fest. Dies ist auch in der Natur die Zeit, in der das Jungtier genügend kräftig ist, um seiner Mutter zu folgen und sich der Herde anzuschliessen.
Onana wird in der kleinen Herde im Zoo auf einen Spielkameraden treffen, denn bereits im Oktober letzten Jahres freute sich der Zoo Basel über die Geburt eines Kleinen Kudus: Namibs Mutter war im Sommer 2016 trächtig in den Zoo Basel gekommen und sorgte nach vier langen Jahren endlich wieder für Nachwuchs. Der jetzt halbjährige Namib konnte kürzlich zum ersten Mal seine Mitbewohner kennenlernen: Mit Leopold und Mutter Cony wagte er sich auf die Giraffenanlage.
Selten in Zoos und in der Natur
Die Zucht der Kleinen Kudus in Zoos ist in einem Zuchtprogramm organisiert (ESB = Europäisches Zuchtbuch). Mit ihren "neuen" Genen ist Onana in diesem Zuchtprogramm ein besonders wichtiges Tier. Ihr Vater Leopold war 2015 zusammen mit zwei weiteren Kudu-Böcken aus Amerika angereist. Ziel war es, mit einer "Blutauffrischung" und jüngeren Weibchen in Europa die Zucht dieser grazilen Antilopen wieder anzukurbeln. Dieser Import war für das Zuchtprogramm von grosser Bedeutung, da alle Tiere von nur 24 Gründertieren abstammen.
Von den drei amerikanischen Männchen verblieb der damals junge Leopold als einziger in Basel. Nun ist er zu einem stattlichen Bock mit schönen langen Hörnern herangewachsen und konnte offensichtlich die Gunst der Weibchen erlangen. Eine weitere Geburt wird erwartet.
In ihrer Heimat Ostafrika sind kleine Kudus selten geworden. Wilderei, Lebensraumverlust und Jagd machen ihnen das Leben schwer. Ihr Bestand wird von der Weltnaturschutz-Organisation (IUCN) auf unter 120‘000 Tiere geschätzt, Tendenz abnehmend. In Europäischen Zoos sind Kleine Kudus selten zu sehen (13 Zoos halten 73 Tiere) und Nachzuchten sind rar. Mit den neuen Tieren und neuen Erkenntnissen bei der Pflege von Jungtieren ist in Basel die Zucht in den letzten Jahren wieder aufgeblüht. Der Zoo Basel züchtet Kleine Kudus seit 1956.
Schön und schreckhaft
Kleine Kudus leben in losen Weibchen-Gruppen. Der Bock umstreift ihr Gebiet immer wieder und verpaart sich, sobald es die Gelegenheit erlaubt. Im Zoo sind Kleine Kudus heikle Pfleglinge und sehr schreckhaft. Darauf sollten auch Besucherinnen und Besucher Rücksicht nehmen und sich im Antilopenaus möglichst ruhig verhalten.
Die zierlichen Antilopen leben in der Natur in der Buschsavanne Afrikas, wo sie gerne hinter Gebüschen Schutz suchen. Deshalb wurden auch auf der Anlage rund um das Antilopenhaus Rückzugsmöglichkeiten für die scheuen Antilopen erstellt. Im Zoo Basel leben zurzeit sechs Tiere: Der Bock Leopold, drei Weibchen und die beiden Jungtiere Onana und Namib.
Artikelfotos: Zoo Basel