Training der Seelöwen als Bindung zwischen Tier und Mensch
14.09.2016 | 18:43
Die Seelöwen-Weibchen im Zoo Basel haben dazugelernt und zeigen jetzt ihr Können. Selbst der Sprung vom Felsen ist mittlerweile zum grossen Spass geworden. Das Training ist wichtig im Hinblick auf mögliche medizinische Untersuchungen.
Die Seelöwen-Gruppe im Zoo Basel besteht derzeit aus fünf weiblichen Tieren. Uranus, der Bulle, verstarb im November letzten Jahres an einer schweren Krankheit. Während des Trainings war immer Uranus der Star. Er liebte die Show und war so übereifrig, dass keines der Weibchen sich auch nur ansatzweise traute mitzuhalten. Nach seinem Ableben veränderte sich die Situation für die Tiere. Die Abwesenheit des Bullen machte es den Weibchen leichter, sich auch auf kleine Kunststücke einzulassen, um an eine Fisch-Belohnung zu gelangen. Entgegen allen Erwartungen befinden sich ein paar Talente unter den Tieren, die mit immer grösserer Begeisterung am Training teilnehmen, und selbst den Sprung vom Felsen machen die Damen gerne mit.
Bindung zwischen Tier und Mensch
Das Training bei den Seelöwen gehört zum Alltag der Tierpfleger und der Tiere. Es dient der Bindung zwischen Tier und Mensch. Auf spielerische Art und Weise werden die Tiere durch ihre Trainer angeleitet, gewisse Dinge zu tun. Zum einen wird so das - bei Seelöwen sehr ausgeprägte - Spielverhalten gefördert, zum anderen wird genau dieser Spieltrieb dazu genutzt, dem Tier gewisse Dinge beizubringen, die wichtig für mögliche medizinische Untersuchungen sind. Wilde Seelöwen lassen sich nicht anfassen. Genauso verhält es sich auch bei Zootieren. Aber mitunter ist es wichtig, dass die Tiere die untersuchende Hand tolerieren und ihre Flosse zeigen oder einen Blick auf ihre Zähne zulassen, so dass die Tierpfleger schauen können, ob es dem Tier gut geht oder wie man einem Tier am besten helfen kann, wenn es ihm nicht gut geht. Das Training zielt also darauf ab, eine angenehme Situation zwischen Mensch und Tier zu schaffen, die dafür sorgt, dass das Tier ohne Druck und aus eigener Motivation mitmacht. Die schwierigste Aufgabe für die Seelöwen-Pflegerinnen und -Pfleger besteht am Anfang des Trainings darin, jedem Tier einen eigenen Platz zuzuweisen. Diesen Platz sollen die Tiere kennen und immer wieder aufsuchen. Nur dann - wenn alle auch auf ihrem Platz bleiben - kann das individuelle Training beginnen.
Die Seelöwen haben im Zoo Basel Tradition, 1922 lebten die ersten Seelöwen im Zolli. Heute werden sie zweimal pro Tag trainiert, einmal am Morgen, wenn der Zoo noch zu ist und die Tiere keine Ablenkung durch Besucher haben, und einmal um 16 Uhr vor versammeltem Publikum. Es ist jedes Mal ein spannendes Erlebnis, den fünf Tieren bei der Arbeit mit ihren Trainern zuzuschauen.