Der Zirkus Royal wirbt für die diesjährige Tournee mit seinen "preisgekrönten weissen Löwen". Solche mögen zwar sowohl schön als auch majestätisch wirken und Zirkusbesucher faszinieren. Tatsache ist jedoch, dass weisse Löwen keineswegs magisch sind. Es handelt sich bei weissen Löwen weder um Albinos noch um eine eigene, seltene Spezies. Sie gehören der gleichen Art an wie normalfarbige Löwen und kommen in der freien Natur nur äusserst selten vor. Die Ursache für ihre Weissfärbung ist ein mutiertes Gen, welches gemeinsam mit anderen unnatürlichen Eigenschaften auftritt. Die weissen Löwen haben in freier Wildbahn Nachteile, wodurch sie in der Natur sehr selten sind; weisse Jungtiere werden zum Beispiel öfters von ihren Feinden getötet und das Anschleichen an Beute gestaltet sich schwierig, da sie für andere Tiere leicht zu erkennen sind.
Zucht von weissen Löwen aus Sensationsgier
In vielen Zirkussen wird die Farbmutation bewusst gezüchtet, um neue Publikumsmagnete zu produzieren. Gerade weil solche Tiere so selten sind, werden für die Zucht häufig miteinander verwandte Tiere verpaart und damit sämtliche Folgen von Inzucht in Kauf genommen. Als Folge solcher Verpaarungen leiden weisse Nachkommen zudem häufig unter Fehl- oder Missbildungen und organischen Schäden. "Eine künstliche Zucht von weissen Löwen ist sowohl aus Tierschutz- als auch aus Artenschutzsicht abzulehnen", so Lucia Oeschger, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten Schweiz.
Artenschutz als Deckmantel
Häufig wird behauptet, dass Wildtiere wie beispielsweise Löwen im Zirkus gezüchtet werden müssen, weil sie in der Natur immer seltener werden. Es stimmt, dass weltweit viele Tierarten bedroht sind. Der Zirkus kann zum Artenschutz jedoch keinen Beitrag leisten: Die Tiere im Zirkus sind oft das Ergebnis von Inzucht und nicht etwa das Ergebnis eines wissenschaftlich überwachten Artenschutzprogrammes. Zirkustiere kann man zudem nicht mehr auswildern, denn durch den engen Kontakt mit dem Menschen und die unnatürlichen Haltungsbedingungen hätten sie keine Chance, in der Wildnis zu überleben und damit zur Erhaltung ihrer Art beizutragen. Dies ist bei der Zucht von weissen Löwen nicht anders. Auch diese Nachzuchten tragen in keiner Weise zum Artenschutz bei.
Wildtiere gehören nicht in den Zirkus
Schon 19 europäische Länder haben das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen stark eingeschränkt oder verboten. Die Schweiz hinkt diesen in Sachen Tierschutz mit den hiesigen Bestimmungen deutlich hinterher. Die Lebensbedingungen sind für Löwen, seien es nun weisse oder normalfarbige, Zebras, Elefanten und alle anderen Wildtiere im Zirkus völlig ungeeignet. Die Tierschutzorganisationen Vier Pfoten, Protier und Stiftung für das Tier im Recht sammeln deshalb im Rahmen einer Petition Unterschriften für ein gesetzlich verankertes Wildtierverbot in Schweizer Zirkussen. Bisher konnten rund 8‘500 Unterschriften gesammelt werden.
Das Märchen der weissen Zirkuslöwen
Am 10. August ist Welt-Löwen-Tag. Die Tierschutzorganisationen Vier Pfoten, Protier und die Stiftung für das Tier im Recht machen zu diesem Anlass auf die Problematik rund um weisse Löwen aufmerksam. Solche sind derzeit auch mit einem Schweizer Zirkus unterwegs.