Golf-Wedler

(Bildquelle: infoticker)

Es sind schwere Zeiten für den VW-Konzern vor dem Hintergrund des Dieselskandals. Da kommt es für die Wolfsburger gerade gelegen, dass sie heute das Face-Lift ihres Bestsellers, des Golfs, präsentieren können. Es ist nicht der grosse Befreiungsschlag - wie auch - aber eine erhebliche Aufwertung des...

Von aussen hat sich beim Golf VII - der von VW jetzt als Golf 7.5 bezeichnet wird - mit dem Facelift nicht viel geändert. Es gehen da subtile Design-Verbesserungen - Scheinwerfer und Kühlergrill sind visuell noch stärker verbunden und die Kühleröffnungen sorgen für eine breitere Optik - mit erfreulichen Technik-Verbesserungen einher. Beim Licht wird jetzt zum Beispiel total auf LED gesetzt. Sowohl vorne, wo die Xenon-Leuchten durch Voll-LED-Einheiten abgelöst werden, wie auch hinten wo ebenfalls nur noch Leuchtdioden für Licht und Signale sorgen werden, wobei die Topversion der LED-Rückleuchten an einem schmalen, weiss-transparenten LED-Streifen zu erkennen sei, der beim Blinken ins Orange wechselt.

Der GTI bekommt dazu auch noch dickere, verchromte Endrohre und neue Stossfänger. Ansonsten gibt’s aussen noch ein paar neue Dekorblenden und neue Sitzbezüge. Doch der Golf wird weiter wie ein Golf aussehen. Und das muss er ja auch. Doch wie will VW Punkten und neue Käufer gewinnen, wenn aussen fast alles beim gleichen bleibt? Die Antwort findet sich im Innenraum und heisst abgekürzt IAC: Infotainment, Assistence, Connectivity.

Bild: Auch hinten erkennt nur der Kenner die Unterschiede wie die Voll-LED-Heckleuchten. - VW

Infotainment wisch & weg

Wer in der Aufpreisliste das "Discover Pro' Infotainment-System ankreuzt, bekommt ein voll-virtuelles 12.3" Kombiinstrument, das mit 1440x540 Pixeln auflöst und je nach gewähltem Anzeigeprofil (es stehen 5 zur Verfügung) verschiedenste Informationen präsentiert und das Navi sowohl 2D als auch 3D ins Ziel führen kann (was bei einem solchen Bildschirm eigentlich klar sein sollte.)

Gesteuert wird die Informationsflut durch händische Wischgesten, mit denen die Menüpunkte nach links oder rechts verschoben werden können. So kann sich der Fahrer durch das Hauptmenü hangeln, Sender wechseln, in der Playlist vor- und zurückschalten und so weiter. Das ganze wird durch Lichtreflexe visuell und auf Wahl mit einem Soundeffekt unterstützt. Was wundert: Es steht nur die Wischgeste zur Verfügung. Rauf-runter oder rundrum gibt es - wie bei BMW - nicht. Doch wie dem auch sei: In der Kompakt-Klasse ist so ein System noch nirgends zu haben.

Dazu gibt es beim Topsystem auch noch einen neuen, grösseren Touchscreen an der Mittelkonsole, der von 8 auf 9.2 Zoll anwächst. Auch alle anderen Modelle erhalten entweder grössere und/oder höher auflösende Touchscreens. So wird auch das kleinste 5"-System zu einem 6.5"-Modell, das jetzt farbig informiert und höher auflöst.

Bild: Innen wird es schon einfacher. Das Multifunktionsdisplay und der grosse Touchscreen verraten die neue Generation wie hier im GTI. - VW

Auch die Möglichkeiten, Smartphones anzukoppeln, werden erweitert, wobei die Funktion "App-Connect" MirrorLink, Android Auto und auch CarPlay unterstützt. Dazu gibt es noch eine alternative Funktion, mit der sich das Telefon über den WLAN-Hotspot in das Entertainment-System einbinden lässt.

Heute sind auch digitale Dienste immer mehr gefragt. Mit dem "Security und Service"-Paket ist VW da voll dabei. Eingeschlossen sind eine automatische Unfallmeldung, Pannenruf oder das Planen eines Service-Termins. Control-Freaks wird die Möglichkeit freuen, per Handy kontrollieren zu können, ob beim geparkten Auto die Türen zu oder das Lichter ausgeschaltet sind. Und wenn jemand versucht, das Auto zu klauen, gibt's eine Push-Nachricht aufs Handy.

Er assistiert, wo er nur kann

Der Weg zum autonomen Fahren ist mit Assistenz-Systemen gepflastert, und der Golf kann auf Wunsch das ganze Set bieten. Spurhalteassistent und Automatische Distanzregelung ermöglichen es dem Golf mit dem Stauassistenten (nur DSG-Modelle) im Stau teilautonom zu fahren, solange der Fahrer die Hände am Lenkrad hat. Der Notfallassistent (Emergency Assist) stoppt das Auto selbständig, wenn der Fahrer zum Beispiel ein gesundheitliches Problem hat. Erst probiert das Auto noch, den Fahrer wach zu rütteln. Wenn das nix hilft, hält das Auto an und schaltet die Warnblinkanlage ein.

Front Assist erkennt sowohl querende Autos als auch solche Fussgänger, warnt den Fahrer erst vor der Gefahr und bremst dann autonom ab. Trailer-Assist hilft beim rangieren mit Anhängern, der Park-Assistent bietet nun auch an, halbautomatisch vorwärts in Quer-Lücken einzuparken und nicht mehr nur rückwärts und der proaktive Insassenschutz strafft vor einem möglichen Unfall die Gurte und schliesst, wenns kritisch wird, Fenster und Schiebedach bis auf einen Restspalt.

Personalisierung

Damit man nicht jedes mal wieder alle Dinge, die man sich so mühsam ausgewählt hat, einstellen muss, kann man jetzt ein Benutzerkonto anlegen, in der die individualisierten Einstellungen zusammengefasst und blitzschnell beim Öffnen des Autos mit dem Fahrzeugschlüssel abrufen kann, so dass man sofort die richtige Sitzposition bekommt und sein Lieblingsmenü auf dem Multifunktionsdisplay hat.

Bild: LED-Scheinwerfer und die Z am Kühlergrill in Wagenfarbe machen sich am GTI ziemlich gut. - VW

Neue Motoren, neues DSG

Es kommen vor allem neue Benzin-Direkt-Einspritzer. Den Anfang macht der 1.5 TSI EVO mit 150 PS, varialber Zylinderabschaltung und Common-Rail-Einspritzung, der schon bei 1500 Umdrehungen 250 NM liefern soll und lediglich 4.9 Liter Durchschnittsverbrauch und eine Segelfunktion hat, die beim Gaswegnehmen den Motor komplett ausschaltet und so fast einen halben Liter auf 100 km sparen soll.

Der gleiche Motor kommt verbrauchsoptimiert in den BlueMotion, leistet dort 130 PS, bringt 200 Nm und soll lediglich 4.6 Liter auf 100 km verputzen.

Der GTI bekommt, wie bei jeder Modellpflege, ein paar Pferdchen mehr: 230 PS im normalen GTI und 245 PS im GTI Performance.

Bild: Der GTI kommt neu mit mindestens 230 PS. Der GTI-Performance liefert sogar deren 245. - VW

Das Doppelkupplungsgetriebe erhält einen Gang dazu und wird mit seinen sieben Gängen die bisherigen 6-Gang-Varianten sukzessive ablösen.

Was der Spass ein Golfer zu sein, neu kostet, wurde noch nicht verraten. Aber dafür, dass der Golf ab Dezember bestellt und ab März 2017 ausgeliefert werden. Nur GTE und e-Golf folgen erst im Mai.

Bild: Auch der Golf-Variant bekommt die Modellpflege. - VW