Nach ganzen 75 Jahren blühte im Frühling 2011 die grösste Blume der Welt erstmals wieder in der Schweiz. Nun hat die Titanwurz im botanischen Garten der Universität Basel, ein Exemplar aus Bonn, zwischen 2011 und 2014 bereits drei Mal ihre Blütenpracht entfaltet. Jetzt kommt die Blume nach Kerzers im Kanton Freiburg.
Wegen Umbauarbeiten in Basel suchten die Verantwortlichen des botanischen Gartens eine geeignete "Ferienresidenz" für die spektakuläre Pflanze und wurden in Kerzers fündig. Unter der Kuppel des Jungle Trek im Papiliorama herrschen ideale Bedingungen für die tropische Pflanze.
Prominenter Feriengast
Heinz Schneider, Kustos des botanischen Gartens, ist froh, mit dem Papiliorama eine verantwortungsvolle Institution gefunden zu haben, die sich in der Zeit des Umbaus um die Titanwurz kümmern wird: "Die Titanwurz ist unser Baby, wir geben sie natürlich nicht gerne einfach so weg. Sie hat uns aber auch sehr viel Zeit gekostet", so Schneider. Ein Stück weit sei man auch froh, dass nun für einige Zeit jemand anderes die Titanwurz hegen und pflegen werde, sagt Schneider mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Auf der anderen Seite freut sich Papiliorama-Direktor Caspar Bijleveld auf den prominenten Feriengast und verspricht: "Wir werden die Titanwurz wie unseren wertvollsten Schatz behandeln." Grundsätzlich sei die Pflege der Knollenpflanze nichts Aussergewöhnliches. "Wir haben unter unseren drei Kuppeln viele exotische Pflanzen, die jeweils ihre ganz besondere Pflege benötigen." Ein bisschen nervöser sei man aber schon mit einem so berühmten "Gast".
Heikler und aufwändiger Transport
Das Blatt der Titanwurz ist in den letzten Wochen abgewelkt. Die Blume ist nun in ihrer Ruhephase und war deshalb für das Umtopfen und den Transport bereit. Zuerst wurde dafür vorsichtig die Erde aus dem Topf entfernt. Um die heikle Pflanze nicht zu verletzen und sie ganz sanft aus dem Topf heben zu können, wurde ein Tuch unter der Knolle hindurchgezogen. Vor dem Verladen in den Lieferwagen wurde die schwere Knolle ausserdem noch gewaschen, auf Schadstellen hin abgesucht und gewogen. Auf der Waage war die Überraschung dann gross, denn die Knolle wiegt mit 87 Kilogramm fast doppelt soviel wie vor der letzten Blüte mit 46 Kilogramm.
Im Papiliorama wurde die Rekordknolle dann umgetopft und in einer speziellen Erdmischung wieder eingetopft. Bei all diesen Arbeiten war der Basler Gärtner Inayat Olmedo dabei, der im botanischen Garten für die Titanwurz verantwortlich war. Diese Verantwortung gibt er nun weiter an den Meistergärtner Michael Känel. "Ich bin froh, dass Inayat während der heiklen Phase des Transportes und des Umtopfens dabei ist", so Känel. Und auch in den nächsten Tagen und Wochen kann der Papiliorama-Gärtner bei Bedarf auf das Wissen und die Erfahrung von Olmedo zurückgreifen.
Blüte im Advent
Nach einer kurzen Ruhephase wird die Titanwurzknolle im Papiliorama während einiger Wochen intensiv neue Wurzeln bilden und eine unterirdische Knospe für die Blume anlegen. Wenn diese an der Oberfläche erscheint, dauert es nochmals etwa 5 Wochen bis zu Blüte. Höhepunkt ist am Ende dieser Phase der Zeitpunkt, zu dem sich die bis zu drei Meter lange Blüte für wenige Tage öffnet. Dann verströmt die Titanwurz auch ihren berühmt-berüchtigten Gestank, um Aaskäfer zur Bestäubung anzulocken.
Während dieser Zeit wird das Papiliorama auch Abends geöffnet sein, damit Besucher die Möglichkeit haben, das seltene Ereignis vor Ort selber zu bestaunen. Die Basler Experten rechnen damit, dass die Pflanze irgendwann im Dezember blühen wird.
