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Kein Qualpelz mehr – Zürcher Tierschutz fordert Importverbot

Trotz korrekter Deklaration können Etiketten eine tiergerechte Haltung vortäuschen. Es gibt keine europäischen Schutznormen für Pelztiere! Die traurige Realität ist Käfighaltung mit Gitterböden. © Zürcher Tierschutz
Trotz korrekter Deklaration können Etiketten eine tiergerechte Haltung vortäuschen. Es gibt keine europäischen Schutznormen für Pelztiere! Die traurige Realität ist Käfighaltung mit Gitterböden. © Zürcher Tierschutz (Bildquelle: Zürcher Tierschutz)

Die Schweiz braucht ein Importverbot für tierquälerische Pelzprodukte – zu diesem Schluss kommt der Zürcher Tierschutz nach seiner neuesten Ladenrecherche. Zwar werden immer mehr Modehäuser wie Kofler, Bogner, Och Sport und Relax pelzfrei. Doch Deklarationsmängel und chinesische Qualpelze bleiben allgegenwärtig.

Von Oktober bis Dezember 2020 hat der Zürcher Tierschutz im Rahmen seiner Kampagne «echt Pelz – echt grausam» in zwölf Modegeschäften der Region Zürich sowie in Luzern und St. Gallen die Deklaration von 147 Pelzartikeln überprüft. Das Resultat: Auch nach acht Jahren wird die 2013 erlassene Deklarationspflicht immer noch missachtet.

Undeklarierte Pelzartikel und veraltete Deklarationen

Insgesamt waren 15% der Pelzartikel gar nicht deklariert und 29% trugen noch die alte Deklaration. Seit dem 1. September 2020 müssen gemäss der revidierten Pelzdeklarationsverordnung alle Artikel neben Tierart, Herkunft und Gewinnungsart auch gut sichtbar mit «Echtpelz» beschriftet sein. Zwar müssen Restartikel vom Vorjahr nicht umetikettiert werden, dennoch kritisiert Kampagnenleiterin Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz: «In 2 von 5 Fällen wird nicht klar, dass es sich um Echtpelz handelt. Nach acht Jahren Deklarationspflicht mangelt es noch immer an Transparenz.»

Kofler: Freiwilliger Verzicht in Rekordzeit!

Eine grosse Überraschung bot das Innerschweizer Modehaus Kofler. Nach dessen Beschluss im Februar 2020, aus Echtpelz auszusteigen, waren bereits im Herbst in keiner Filiale mehr Pelzartikel zu finden. Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz lobt: «Kein grosses Modehaus wurde so schnell pelzfrei – sechs Monate sind Rekord!» Olivier Bachmann, Kommunikationschef von Kofler erläutert: «Wir wollen mit gutem Gewissen hinter der Mode stehen. Daher haben wir alle restlichen Pelzartikel an Bedürftige verschenkt.»

Ohne Einsicht geht nichts: Die Guten und die Bösen

Weitere Unternehmen, die 2020 pelzfrei wurden: alle Bogner-Filialen der Schweiz, Och Sport (ZH), House of Jeans (ZH, SG) sowie Relax (LU). Andere Geschäfte sind in Umstellung und verkaufen nur noch Restbestände ab, dazu zählen PKZ (nur noch Canada Goose-Jacken) und Modekeller in Zürich. Doch unbeirrbare Modehäuser gewichten Profit und Image höher und distanzieren sich nicht von Pelz, etwa Fashion Stylers, Platinum und The Gallery (alle Spreitenbach), zudem Ciolina (BE), Grieder (GE), Max & Moi (LU), Duett (ZH) sowie Jäckli & Seitz (SG).

Billige Qualpelze aus China in Läden und online-Shops

Ungebrochen ist der Trend auf chinesische Billig-Jacken mit Pelzkragen. Von den 125 Artikeln mit Etikette waren 48 als «Marderhund, China» deklariert – Pelze aus brutalster Tierquälerei! Fashion Stylers in Spreitenbach führte 23 solcher Jacken mit chinesischem Qualpelz zum Spottpreis von CHF 200.– im Angebot. Das ist nur die Spitze des Eisbergs, übers Internet verhökern Fashion Stylers und andere Firmen massenhaft solche Qualpelze.

Deklaration und Kontrollen lösen das Problem nicht

Das Bundesamt BLV kam im Kontrollbericht vom November 2020 zum gleichen Schluss wie der Zürcher Tierschutz: Die Deklaration wird mangelhaft umgesetzt. Selbst Beanstandungen und Strafgebühren helfen nur kurzfristig. Wegen neuer Sortimente und Personalwechseln treten jede Saison wieder Fehler auf. Das ist eine Sisyphusarbeit! Nadja Brodmann stellt klar: «Weder Deklarationen noch strengere Kontrollen können Qualpelze stoppen – daher braucht es ein Importverbot, wie es die Motion von Nationalrat Aebischer fordert.»