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Schon 50'000 Unterschriften für Kastrationspflicht von Freigänger-Katzen

(Bildquelle: infoticker)

Bereits über 50'000 Menschen und 116 Organisationen unterstützen die laufende Petition vonNetAP - Network for Animal Protection und der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) für eineKastrationspflicht von Freigänger-Katzen in der Schweiz und fordern mit ihrer Unterschrift denGesetzgeber zum...

In der Schweiz leben zwischen 100'000 und 300'000 herrenlose Katzen. Weil verwilderte Streunerkatzen den Kontakt zu Menschen scheuen, vegetieren sie häufig unbemerkt von der Öffentlichkeit in Parkanlagen, Gewerbegebieten, auf Friedhöfen oder in Schrebergärten vor sich hin - ohne medizinische Versorgung und ständig auf der Suche nach Nahrung. Wenn sie verletzt oder krank sind, ziehen sie sich zurück und sterben still. Zudem werden in der Schweiz jährlich schätzungsweise 100'000 unerwünschte Jungtiere getötet, das heisst erschlagen, ertränkt, erstickt, erschossen oder eingeschläfert.

Die Hauptursache dieses Katzenelends liegt darin, dass viele Katzenhalter ihre Freigänger-Katzen nicht kastrieren lassen und diese zusammen mit herrenlosen, unkastrierten Tieren ständig für weiteren Nachwuchs sorgen. Alle verwilderten bzw. Streunerkatzen sind Tiere, die ursprünglich einen Halter hatten, dann aber entlaufen sind oder ausgesetzt wurden, oder Nachkommen von solchen Katzen. Unkastrierte Katzen vermehren sich sehr schnell. Sie bekommen zwei, manchmal sogar drei Mal im Jahr Junge. Würfe mit 5-7 Katzenwelpen sind keine Seltenheit.

Wegwerfprodukt

Die Gedankenlosigkeit, Unwissenheit oder Gleichgültigkeit privater Katzenhalter, die ihre Freigänger nicht kastrieren lassen, hat auch dazu geführt, dass Katzen in der Schweiz immer mehr zum Wegwerfartikel verkommen. Sie werden schnell und unüberlegt angeschafft und genauso schnell wieder entsorgt. Passt die Katze nicht mehr in die aktuelle Lebensplanung, weil der neue Partner sie nicht mag oder in der neuen Wohnung Tierhaltung verboten ist, fallen Tierarztrechnungen an, weil das Tier krank wird, zerkratzt die Katze Möbel oder wird nicht sofort stubenrein, wird gehandelt: sie wird ins Tierheim abgeschoben, ausgesetzt, weitergereicht oder getötet.

"Allein bei NetAP gehen täglich diverse Anrufe und Emails ein, in denen Menschen verletzte oder kranke Streunerkatzen melden oder sich Katzenbesitzer ihrer Tiere aus den fadenscheinigsten Gründen entledigen wollen", sagt Esther Geisser, Präsidentin und Gründerin von NetAP.

Manche Anrufer melden verunfallte Tiere, andere drohen damit, die Jungkatzen zu töten, wenn sie nicht umgehend abgeholt werden. Auch Tierärzte rufen vermehrt an und melden "Verzichtskatzen", also Katzen, die der Besitzer nicht mehr haben möchte, oft weil ihm die Tierarztkosten zu hoch sind. Dann rücken die Tierschützer aus, fangen bei Wind und Wetter verwilderte Katzen ein, holen unerwünschte Tiere ab, pflegen sie gesund, versuchen zahme Katzen an gute Plätze zu vermitteln. Doch die Kapazitäten von NetAP und anderen Tierschutzorganisationen sind praktisch ausgeschöpft - personell und finanziell.

"Tausende von Katzen wurden durch die NetAP-Tierärzte schon kastriert, doch es ist längst kein Ende in Sicht", wie Esther Geisser feststellen muss. Die Tierheime und Pflegeplätze sind übervoll. Aufnahmestopps müssen verhängt werden. Manchmal kommt auch jede Hilfe zu spät.

Die Vorteile einer Kastrationspflicht

Eine Kastrationspflicht würde das ändern. Gäbe es weniger Katzen, bekäme man nicht an jeder Ecke kostenlos sofort eine neue. Ihr Stellenwert würde steigen. Es gäbe weniger herrenlose Katzen. Überdies hat ein solcher Eingriff auch medizinische und andere Vorteile. "Die Kastration von weiblichen und männlichen Katzen ist ein harmloser Eingriff, der nur wenige Minuten dauert und sowohl für Katzen als auch für Besitzer nur Vorteile bringt.

Abgesehen davon, dass künftiges Katzenleid verhindert wird, weil weniger Katzen geboren werden, dämmt die Kastration auch die Verbreitung von Krankheiten wie Katzenaids oder Leukose, die vor allem beim Deckakt übertragen werden, massiv ein", erklärt Dr. med. vet. Enrico Clavadetscher, Tierarzt und medizinscher Leiter von NetAP.

"Das Risiko hormoneller Erkrankungen wie Eierstockzysten, Gesäugetumore oder Gebärmutterentzündungen bei der weiblichen Katze sinkt erheblich. Auch das Unfallrisiko sinkt, denn kastrierte Katzen sind ortstreuer und müssen auf der Suche nach einem Partner keine Strassen mehr überqueren. Ebenso werden Verletzungen aus Revierkämpfen reduziert. Übelriechende Markierungen des Katers entfallen genauso wie Symptome von Rolligkeit bei Kätzinnen. Der Irrglaube, eine Katze müsse ein Mal im Leben Junge bekommen, ist übrigens leider noch immer genauso falsch wie weitverbreitet", so Dr. Clavadetscher weiter.

Politik gefordert

Jetzt ist die Politik gefordert. Die Kastrationspflicht von Freigänger-Katzen muss gesetzlich verankert werden. Hinter dieser Forderung stehen 116 Organisationen und bereits 50'000 Bürger. Alle Bemühungen, Katzenhalter auf freiwilliger Basis zu überzeugen, haben nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

Wer die Petition durch Unterschrift unterstützen möchte, kann dies auf www.kastrationspflicht.ch tun. Auf dieser Webseite finden sich auch viele weitere Informationen und Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Artikelfoto: Jason Efstathiou (CC BY-NC 2.0)