Sensationelle Malereien im Schloss Burgdorf entdeckt

(Bildquelle: infoticker)

Bei den Vorbereitungsarbeiten für den Umbau des Schlosses Burgdorf kamen im Schiltensaal Wandmalereien von 1686 zum Vorschein, die man bisher verloren glaubte. Von einer Vertäfelung des 18. Jahrhunderts verdeckt blieben die hervorragenden Grisaille-Malereien in einem praktisch unversehrten Zustand...

Der grosse Raum im ehemaligen Hallenbau, dem künftigen Jugendherberge-Trakt, diente seit der Mitte des 16. Jahrhunderts als Amtsstube und wird wegen der hier aufgestellten Wappenschilder der obrigkeitlichen Berner Familien als Schiltensaal bezeichnet.

Aus schriftlichen Quellen ist bekannt, dass der Saal im 17. Jahrhundert durch den Maler Baschi Gysin mit einer dekorativen Ausmalung ausgestattet wurde. Eine Gesamterneuerung um 1686/90 mit Dekorationsmalereien an Wänden und der Decke von Christian Stucki ist ebenfalls belegt. 1741 wurden die Malereien mit einer Vertäfelung überdeckt.

1922 wurde bei Umbaumassnahmen die Westwand freigelegt, wobei ein Teil der Malereien wiederentdeckt und dokumentiert wurde. Danach wurde die Westwand abgebrochen, die Malereien daran vollständig zerstört. Die Bemalung der Decke durch Christian Stucki wurde weder 1922, noch bei weiteren Umbauarbeiten in den Jahren 1972/73 entdeckt. Man hielt sie für verloren.

Entdeckung der unversehrten Grisaille-Bemalung

Bei der Bestandesdokumentation stiess das Restauratorenteam von Fischer & Partner AG Restauratoren, Bern, an Ostwand und Decke unverhofft auf grosse und unversehrte Bereiche der Dekorationsmalerei von Christian Stucki.

In der Folge wurde das Täfer von 1741 sorgfältig demontiert. Darunter kam an der Nord-, Süd- und einem Teil der Ostwand die nahezu vollständig und in unversehrtem Zustand erhaltene Dekoration von 1686 zum Vorschein. An der Decke kam die gleichzeitige Grisaille-Bemalung mit Rankenmotiven in bestem Zustand zu Tage.

Darüber hinaus konnte mit einer Infrarotreflektographieaufnahme der Wandflächen dokumentiert werden, dass sich unter der freigelegten Grisaille-Malerei eine ältere farbige Fassung befindet - die ursprüngliche Ausmalung des Schiltensaales um 1629 durch Baschi Gysin. Dieser Befund ist für den Kanton Bern wohl einzigartig.

Öffentliche Besichtigung im Rahmen der Denkmaltage 2017

In einem nächsten Schritt muss das weitere Vorgehen bezüglich der entdeckten Malereien diskutiert und festgelegt werden. Die Öffentlichkeit erhält an den Denkmaltagen am 9./10. September 2017 die Gelegenheit, den verloren geglaubten Schatz zu besichtigen.

Schloss Burgdorf wird zum öffentlichen Ort

Nach dem Umbau wird das Schloss Burgdorf erstmals in seiner Geschichte zum grössten Teil der Öffentlichkeit zugänglich sein. Im Schloss werden nebst den heute bereits bestehenden Museen künftig eine Jugendherberge, ein Trauungslokal und ein Gastronomiebetrieb untergebracht sein. Die neue Nutzung verlangt auch eine neue Konzeption der Museen.

Die Stiftung Schloss Burgdorf wird das Umbauvorhaben in den kommenden Jahren durchführen. Nach der Wiedereröffnung des Schlosses wird sie gemeinsam mit den schweizerischen Jugendherbergen und den Museen im Schloss für den Betrieb und Unterhalt des Schlosses sowie für den öffentlichen Zugang sorgen.

Artikelfotos: Matthias Kilchhofer, Fischer & Partner AG Restauratoren