Zoo Basel heisst zwei Varis willkommen

(Bildquelle: infoticker)

Zwei männliche Varis sind auf die neue Insel im Restaurantweiher gezogen. Der Zoo Basel beginnt neu mit der Haltung dieser Art und unterstützt dabei ein Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Im Zoo Basel sind am 9. November zwei Vari-Männchen auf die neu erstellte Insel gezogen. Die beiden haben im Safaripark Beeksebergen (NL) zusammengelebt und kennen sich daher bereits. Am Freitag, den 9. Dezember, haben sie zum ersten Mal den Aussenbereich ihrer Insel erkundet und mit einer Vielfalt an Lautäusserungen ihr Revier "markiert", einschliesslich das Dach des Stalles.

Die Stimme der Schwarzweissen Varis ist sehr eindrucksvoll. Das laute und wilde Gebrüll ist eine Mischung aus bellen, schreien, knurren, heulen und quietschen - in allen Variationen. Die Lautäusserungen fördern vermutlich den Gruppenzusammenhalt und helfen, das Revier zu "markieren".

Bedrohte Tiere

Während der Eingewöhnungsphase werden die beiden Vari-Männer zeitweise, später aber permanent freien Zugang zum Aussenbereich haben. Ein Weibchen mit fremden Genen soll sich dereinst zu ihnen gesellen. Der Zoo Basel hofft auf Nachwuchs, der wiederum das EEP bereichern soll.

Schwarzweisse Varis sind stark bedroht. Mit dem Erhaltungszuchtprogramm (EEP) soll eine gesunde Zoopopulation dieser seltenen Lemuren aufrechterhalten werden. Gleichzeitig bemüht man sich im EEP - unter anderem in Zusammenarbeit mit den madagassischen Behörden - diese Primatenart in der Natur zu schützen.

Seltene Affen mit lauter Stimme

Protos (12) und Ifat (16), so heissen die beiden Vari-Männer, gehören innerhalb der Schwarzweissen Varis zur Unterart der Gürtelvaris. Diese tragen einen typischen weissen Gürtel um die schwarze Taille. Gürtelvaris kommen im Nordosten von Madagaskar vor und sind wie alle anderen Schwarzweissen Vari-Unterarten stark vom Aussterben bedroht. Zum Verhängnis ist ihnen neben der Jagd der Verlust ihres Lebensraumes geworden, der vom Menschen für die Landwirtschaft genutzt wird.

Schwarzweisse Varis ernähren sich fast ausschliesslich von reifen Früchten und sind deshalb auf grosse, intakte Waldstücke angewiesen. Da sie sehr selektiv fressen, macht sie das besonders anfällig für schrumpfende und fragmentierte Lebensräume. Schwarzweisse Varis gehören mit ihren drei bis vier Kilogramm zu den grössten Lemuren. Sie sind tagaktiv, was sie als Ziel menschlicher Jagd leider zusätzlich attraktiv macht.

Nester bauen für den Nachwuchs

Varis leben wahlweise als Paare oder in Gruppen, in denen entweder Männchen oder Weibchen in der Überzahl sind. Als einzige Primaten bauen Varis ein Nest für ihren Nachwuchs. In den ersten zwei bis drei Lebenswochen werden die Jungen nicht wie bei anderen Affenarten auf der Futtersuche mitgetragen, sondern bleiben im Nest. Varis gebären zwei bis fünf Junge auf einmal, bei anderen Primatenarten sind ein bis zwei die Regel.

Schwarzweisse Varis bewohnen in der Natur gerne Wälder mit grossen, alten Bäumen, an welchen sie Nahrung finden. Sie sind sehr geschickt darin, auch an den äussersten Ästen reife Früchte zu angeln, wenn es sein muss auch kopfüber, an den Hinterbeinen hängend.

Im Zoo erhalten sie jedoch kaum Früchte, denn die Wildfrüchte aus ihrer Heimat sind vom Nährstoffgehalt her eher mit unserem Gemüse vergleichbar. Ausserdem sind unsere (gezüchteten) Früchte viel zuckerhaltiger und faserärmer und deshalb für Varis ungeeignet.

Wechsel bei der Gartenarchitektur

Im Zoo Basel sind die Varis auf einer kleinen Insel zu Hause. Die Insel mit dem Varihaus ist eines der letzten Projekte im Zoo Basel von Gartenarchitekt Rainer Zulauf. Zulauf war im Zoo Basel über 10 Jahre lang für die Gartenarchitektur zuständig, auf Ende Jahr zieht er sich aus dem Studio Vulkan zurück und arbeitet selbständig.

Rainer Zulaufs grösste Projekte im Zoo Basel waren die Anlagen für Nashörner, Menschenaffen und Elefanten und das Zoo-Restaurant. Ausserdem war er für die zurzeit noch in Arbeit befindliche Gesamtplanung zuständig, erarbeitete die Pflegeplanung, einen Baumkataster und er war an den Projekten beteiligt, den Zoo fuchssicher zu machen und ihn vor einem Hochwasser des Birsig zu schützen. Auch Anpassungen bei den Gehegen der Zwergflusspferde und der Brillenpinguine fallen in seine Zeit als Zoo-Gartenarchitekt. Rainer Zulauf ist Mitbegründer von Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten Zürich, heute Studio Vulkan.

Büro Maurus Schifferli als Nachfolge

Abgelöst wird Rainer Zulauf ab Januar 2017 durch das Büro Maurus Schifferli Landschaftsarchitekt. Es wurde aus einer ursprünglich 29 Landschaftsarchitekten zählenden Liste ausgewählt. Nach einem längeren Auswahlverfahren wurden drei Büros mit einer Testplanung beauftragt. Das Büro Maurus Schifferli überzeugte mit seiner Begeisterung für den Zoo Basel, seiner Kreativität und Innovationskraft und seiner Zusammenarbeit mit dem Team des Zoos.

Büroinhaber ist Maurus Schifferli, als Geschäftsführer fungiert Felix Hug. Rainer Zulauf wird seine noch laufenden Mandate wie die Elefantenanlage "Tembea", welche ab 16. März 2017 für das Publikum offen ist, noch abschliessen, während Maurus Schifferli bereits die ersten neuen Projekte übernimmt.