Letzte Woche konnten die 21-jährige Braunbärin Ewka und ihre 13-jährige Tochter Gienia die Reise in ihr neues grosses Freigehege im Zoo Poznan antreten. Ein Team bestehend aus Mitarbeitenden von Vier Pfoten, dem Zoo Poznan und Tierärzten holte die Bären aus dem Mini-Zoo in Braniewo im Norden Polens ab, wo sie jahrelang in beengten Verhältnissen auf Betonboden und mit mangelhafter medizinischer Betreuung lebten.
Die Tierärztin Johanna Painer vom Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung in Berlin, die bereits zahlreiche Vier Pfoten Transfers medizinisch begleitet hat, hat die Bärinnen gründlich untersucht, bevor sie den Transport antreten konnten.
Die mangelhafte Haltung hat Spuren hinterlassen, wie Painer berichtet: "Ewka und Gienia geht es soweit gut. Beide haben allerdings mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, vor allem Ewka, die ja nicht mehr die Jüngste ist. Die Bärin ist von Parasiten befallen und sieht zudem schlecht. Vom jahrelangen Beissen an den Gitterstäben hat sie schlechte Zähne, die behandelt werden müssen."
Transfer von zwei weiteren Bären im Herbst
Im Zoo Poznan steht den Bärinnen nach einer Eingewöhnung im Innengehege schliesslich ein rund 4'000 Quadratmeter grosser Aussenbereich zum Leben zur Verfügung. Dieser wurde mithilfe von Vier Pfoten finanziert und nach strengen Tierschutzkriterien erbaut. Im Mini-Zoo Braniewo leben noch zwei weitere Bären: Pietka und Wojtusia - die letzten beiden Bären in illegaler Privathaltung in Polen. Sobald die Erweiterung des Bärenfreigeheges im Zoo Poznan im Herbst diesen Jahres abgeschlossen ist, dürfen auch Pietka und Wojtusia ihr neues Zuhause beziehen.
Ein Meilenstein, wie der Vier Pfoten Bärenexperte Carsten Hertwig erläutert: "Das bedeutet, dass wir damit noch dieses Jahr die illegale Privathaltung von Braunbären in Polen beenden können. Das ist ein wichtiger Schritt für den Tierschutz und wir hoffen, dass wir noch in vielen anderen Ländern zu so einer Entwicklung beitragen können."
Erstmals ein artgemässes Leben
Ewka und Pietka stammen aus einem ukrainischen Zirkus und wurden noch im Jahr ihrer Geburt an den Zoo in Braniewo abgegeben. Wojtusia und Gienia wurden bereits in Braniewo geboren. Vier Pfoten war in den letzten Jahren mehrfach vor Ort, um Verbesserungen für die vier Bären vorzunehmen und die Tierpfleger vor Ort zu schulen.
Gemeinsam mit ihnen wurden zum Beispiel Kletter- und Beschäftigungs-Elemente für die Bären geschaffen und ihre Ernährung verbessert. Die Haltung blieb aber dennoch mangelhaft. Keiner der vier Bären hat demnach je ein artgemässes Leben führen dürfen. Das wird sich mit dem Umzug in den Zoo Poznan ändern.
Langjähriges Engagement in Polen
Vier Pfoten kümmert sich bereits seit Jahren um eine Verbesserung der Braunbärenhaltung in Polen. Die Tierschutzorganisation hat bereits im Jahr 2011 drei Tiere aus katastrophaler Haltung gerettet und in den von Vier Pfoten geführten Bärenwald Müritz in Norddeutschland gebracht. Seit Mai 2012 ist die Privathaltung von Braunbären in Polen verboten.
2013 konnte Vier Pfoten in Kooperation mit dem Zoo Poznan drei weiteren Bären ein artgemässes Zuhause ermöglichen. Leider sind zwei davon mittlerweile krankheitsbedingt verstorben. Dadurch steht ein Gehege der Anlage seit Ende Januar 2016 leer. Gemeinsam mit dem Zoo Poznan wurde beschlossen, dieses Gehege nun für Ewka und Gienia bereitzustellen.
Die Bärenfreianlage wird bis Herbst um weitere 1,5 Hektar erweitert werden, damit sie dann auch ausreichend Platz für Pietka und Wojtusia bietet. Vier Pfoten wird auch nach dem Transfer die medizinische Betreuung aller vier Bären unterstützen.
Zwei Braunbärinnen in Polen gerettet
Letzte Woche traten zwei verwandte Braunbärinnen in Polen die Reise in ihr neues Freigehege im Zoo Poznan an. Sie lebten bisher in Privathaltung in einem Betongehege im Norden von Polen. Die zwei dort verbliebenen Bären werden ebenfalls von Vier Pfoten transferiert, sobald die Erweiterung des...