Extrem nasser Mai - Frühling mit normaler Temperatur
30.05.2016 | 14:31
So wie der erste Frühlingsmonat zeigte sich auch der letzte von seiner kühlen Seite. Über die ganze Schweiz gemittelt ist eine Maitemperatur von 0,5 bis 0,6 Grad unter der Norm 1981-2010 zu erwarten. In Berglagen bewegen sich die Werte 0,6 bis 1 Grad und auf der Alpensüdseite 0,2 Grad unter der...
Der letzte Frühlingsmonat startete kühl und regnerisch. Die Tagesmitteltemperatur lag am 1. Mai verbreitet zwischen 4 und 6 Grad, regional auch bis 7 Grad unter der Norm 1981-2010. Die Schneefallgrenze sank auf 800 m. In mittleren Höhenlagen gab es bis 40 cm Neuschnee. Der Grund für die kühlfeuchten Verhältnisse war ein von Südfrankreich zur Adria ziehendes Tiefdruckgebiet. Die Zufuhr kühlfeuchter Luft hielt bis am 3. Mai an. Auf der Alpensüdseite stieg die Tagesmitteltemperatur ab dem 2. Mai mit Nordföhn und sonnigem Wetter 2 bis knapp 4 Grad über die Norm.
Sonnig und mild
Vom 4. bis am 8. Mai lag die Schweiz am Südrand eines Hochdruckgebiets mit Kern über der Ostsee. Dank viel Sonne stieg die Tagesmitteltemperatur verbreitet 3 bis 5 Grad, unterstützt durch Föhn in den Tälern der Alpennordseite auch 5 bis 7 Grad über der Norm 1981-2010. Auf der Alpensüdseite bewegte sich die Tagesmitteltemperatur im normalen Bereich. Am 7. und 8. gab es hier mit Staubewölkung nur wenig Sonne.
Vor einem kräftigen Tiefdruckgebiet über dem nahen Atlantik wurde der Föhn ab dem 8. Mai kräftiger und sorgte auf der Alpennordseite und im Wallis weiterhin für milde und teilweise sonnige Verhältnisse. In den Föhngebieten stieg die Tageshöchsttemperatur auf 24 bis 27 Grad. Die Alpensüdseite verschwand unter einer kompakten Wolkendecke, aus der bei maximal 15 Grad zunehmend kräftigere Niederschläge fielen.
Der Föhn auf Rekordjagd
Der Föhn hatte in diesem Frühling einen besonders langen Atem. Bereits anfangs April 2016 wehte er am Messstandort Altdorf 65 Stunden oder fast drei Tage ohne Unterbruch. Es war eine der längsten Föhnperioden in Altdorf seit Beginn der kontinuierlichen Messungen im Jahr 1981. Das war aber nur ein Trainings-Lauf. Im Mai steigerte der Föhn seine Ausdauer bis in Rekordnähe. Vom 5. Mai vormittags bis am 11. Mai 2016 in den frühen Morgenstunden legte er in Altdorf eine knapp 136-stündige Periode hin. Das sind mehr als fünfeinhalb Tage. Er zeigte dazwischen allerdings einen kurzen Schwächeanfall von 2 Stunden und 20 Minuten.
Die längste ununterbrochene Föhnperiode dauerte in Altdorf 138 Stunden und 20 Minuten. Sie setzte am 23. April 1993 vormittags ein und endete am 29. April 1993 in den frühen Morgenstunden. Sie verlief also phasengleich mit dem aktuellen Fall. Die drittlängste Föhnperiode mit 104 Stunden zeichnete die Messstation Altdorf im November 1984 auf. Auch damals musste der Föhn eine kurze Verschnaufpause einschalten. Alle übrigen Föhnperioden mit mindestens 60 Stunden Dauer (2,5 Tage) zeigten keinen Unterbruch.
Nass und kühl
Das Atlantik-Tief zog am 12. Mai über die Alpen Richtung Osten. Es blieb für die Schweiz bis am 14. Mai wetteraktiv. Bei einer Temperatur von verbreitet 1 bis 3 Grad unter der Norm 1981-2010 fielen im zentralen und östlichen Mittelland, in der Nordschweiz sowie entlang des Alpennordhangs innerhalb von drei Tagen 70 bis 100 mm Niederschlag. Von der Innerschweiz bis in die Säntisregion waren es 90 bis 140 mm.
Die grössten 3-Tages-Summen registrierten die Messstandorte Säntis mit 266 mm, Stans mit 189 mm und Gersau mit 171 mm. In Luzern fiel mit 136 mm die grösste 3-Tagessumme in der seit 1880 verfügbaren Messreihe. Gemäss Extremwertstatistik wird am Messstandort Luzern eine 3-Tagessumme von 136 mm über einen langen Zeitraum betrachtet etwa alle 30 bis 50 Jahre erreicht oder überschritten. Die gewittrige Intensivierung am Schluss des dreitägigen Regenereignisses führte lokal zu Überschwemmungen.
Vom 15. bis zum 17. Mai floss entlang der Ostflanke eines Atlantik-Hochs kühle Luft aus Nordwesten zur Schweiz. Die Tagesmitteltemperatur sank verbreitet 4 bis 6 Grad, in Gipfellagen 7 bis 8 Grad unter die Norm. Auf der Alpensüdseite bewegte sie sich mit Nordwindeinfluss 2 bis 4 Grad unter der Norm. Die Tageshöchstwerte erreichten auf der Alpennordseite 12 bis 15 Grad, im Wallis und auf der Alpensüdseite 20 bis 23 Grad. Mit dem anschliessenden Durchzug von Höhenkaltluft und Niederschlag in der ganzen Schweiz blieb die Tagesmitteltemperatur bis am 20. Mai verbreitet 2 bis 5 Grad unter der Norm 1981-2010.
Noch kühler und Schnee bis in mittlere Lagen
Nach einem sonnigen und sommerlich warmen Wochenende (21./22. Mai) mit Tageshöchstwerten zwischen 24 und 28 Grad brachte ein Kaltluftvorstoss aus Norden einen markanten Temperatursturz und kräftige Niederschläge. Die Tagesmitteltemperatur blieb am 23. verbreitet 5 bis 7 Grad unter der Norm und die Tageshöchstwerte erreichten noch 10 bis 16 Grad.
Die Schneefallgrenze schwankte zwischen 900 und 1'400 m. In höheren Lagen fielen 20 bis 30 cm Neuschnee. Am 24. Mai genoss die Alpensüdseite dank kräftigem Nordföhn sonniges Wetter und Tageshöchstwerte um 24 Grad. In den übrigen Landesteilen war es mehrheitlich trüb mit Höchstwerten von 14 bis 16 Grad, im Wallis bis 18 Grad.
Frühsommerlich warm, dann kräftiger Regen
Vom 26. bis am 28. Mai floss aus Südwesten milde und zunehmend feuchte Luft zur Schweiz. Mit zunächst viel Sonne erreichte die Tageshöchsttemperatur 22 bis 27 Grad. In der feuchtwarmen Luft nahm die Gewitteraktivität zu und lokal fiel dabei auch Hagel. Vom 28. auf den 29. Mai registrierte Aigle mit 69 mm die höchste Tagessumme in der seit 1981 verfügbaren Messreihe. 25 mm fielen dabei innerhalb einer Stunde.
Am 29. strömte aus Süden warme und sehr feuchte Mittelmeerluft über die Schweiz. Zusammen mit den Gewittern in der Nacht vom 28. auf den 29. fiel innerhalb von 2 Tagen auf der Alpensüdseite lokal um 100 mm, im Wallis verbreitet und auf der Alpennordseite regional 20 bis 30 mm Niederschlag.
Vegetationsentwicklung verläuft wieder im normalen zeitlichen Rahmen
Wegen den tiefen Temperaturen büsste die Vegetationsentwicklung ihren Vorsprung von rund ein bis zwei Wochen Ende April fast schon ein. Auch der Mai brachte nur wenige, wirklich warme Tage, so dass sich die Vegetation nur langsam weiter entwickelte und sich zeitlich etwa im Mittel der Periode 1981-2010 bewegte. In den tiefen Lagen blühten die Rosskastanien und Vogelbeeren, ziemlich genau im Mittel der Vergleichsperiode.
Der Nadelaustrieb der Fichten wurden bis gegen 1'500 m ü. M. beobachtet, ebenfalls zu einem mittleren Zeitpunkt. Die allgemeine Blüte des Schwarzen Holunders, wurde bisher erst im Tessin beobachtet. Auf der Alpennordseite blüht er normalerweise Ende Mai, Anfang Juni und wird auch in diesem Jahr etwa für diesen Zeitpunkt erwartet. Im Mai verlagerten viele Pflanzen ihre Entwicklung in Höhenlagen zwischen etwa 800 und 1'500 m ü. M.: der Nadelaustrieb der Lärchen, die Blattentfaltung der Buchen, die Blüte der Obstbäume und des Löwenzahns, ebenfalls alle im normalen Zeitrahmen.
Im Gegensatz zu den Bäumen blühten die Margeriten im Mai weiterhin mit einem Vorsprung knapp einer Woche. Auch die Wiesen wurden in diesem Jahr an vielen Orten zwischen dem 3. und 8. Mai etwa 10 Tage früher gemäht als im Mittel, denn das sonnige Wetter in diesem Abschnitt versprach ein trockenes Einbringen des Heus.
Frühling mit normaler Temperatur
Die Frühlingstemperatur 2016 entsprach im Mittel über die ganze Schweiz ziemlich genau der Norm 1981-2010. Auf der Alpensüdseite gab es Überschüsse bis 0,7 Grad. Die Nordschweiz zeigte demgegenüber regional eine Frühlingstemperatur bis 0,5 Grad unter der Norm.
Der März lag landesweit gemittelt 0,4 Grad, der Mai 0,7 Grad unter der Norm 1981-2010. Der April brachte einen landesweiten Temperaturüberschuss von 0,7 Grad im Vergleich zur Norm, wobei vor allem das Wallis, die Alpensüdseite und Graubünden deutlich zu milde Aprilwerte registrierten.
Im Norden nasser Frühling
Der Frühling war in der Schweiz verbreitet niederschlagsreich. In Luzern fiel mit 470 mm die höchste Frühlingsmenge seit Messbeginn 1864. Auf der Alpensüdseite und im Wallis lieferte der Frühling regional Niederschlagsmengen im Bereich der Norm 1981-2010.
Die Märzniederschläge blieben in den meisten Gebieten der Schweiz deutlich unterdurchschnittlich. Nur auf der Alpensüdseite und im angrenzenden Mittelbünden gab es überdurchschnittliche Mengen. Der April und der Mai waren verbreitet nass. Auf der Alpennordseite registrierten einzelne Regionen den nassesten Mai seit Messbeginn im 19. Jahrhundert.
Frühlingssonne ohne Ambitionen
Die Sonnenscheindauer erreichte im Frühling auf der Alpensüdseite, im Engadin und im Wallis normale Werte. Auf der Alpennordseite und in den Alpen blieb sie meist unter der Norm 1981-2010.
Am trübsten zeigte sich der April mit einer Sonnenscheindauer von nur 70 und 95 Prozent der Norm 1981-2010. Der März brachte auf der Alpennordseite unterdurchschnittliche, in den übrigen Gebieten normale oder etwas überdurchschnittliche Werte. Im Mai bewegte sich die Sonnenscheindauer verbreitet im Bereich der Norm.