Glarus

Der Wolf prägte den Glarner Alpsommer 2022

Der Wolf hat den Sommer in den Glarner Alpen mitgeprägt. (Symbolbild)
Der Wolf hat den Sommer in den Glarner Alpen mitgeprägt. (Symbolbild) (Bildquelle: TickerMedia)

Zusammen mit den Alpbetreibern blickt die Abteilung Landwirtschaft des Kantons Glarus auf einen schwierigen Alpsommer 2022 zurück. 90 Schafe und Ziegen wurden durch Wolfsangriffe gerissen. Viele weitere Tiere werden vermisst.

Ein Blick auf die Karte «Grossraubtier Beobachtungen» zeigt, dass sich die Situation im Glarnerland nicht von derjenigen im Kanton Graubünden unterscheidet, wo der Wolf ebenfalls stark im Fokus steht. Bei einem gemeinsamen Rückblick auf die Alpsaison stellten die Abteilung Landwirtschaft und die Glarner Schafälpler und Alpeigentümer die durch den Herdenschutz erfasste Zahl von 90 gerissenen Schafen und Ziegen fest.

Deutlich mehr Abgänge als in früheren Jahren

Die Herdenschutzberater zählten mit den Schafälplern nach der Alpabfahrt auf denjenigen Alpen, die von Rissen betroffen waren, 120 vermisste Schafe und Ziegen. Die Zahl von 210 gerissenen oder im Zusammenhang mit Übergriffen vermissten Tieren ist 14-mal höher als im Jahr 2021. Der Wert dieser gerissenen oder vermissten Tiere wird auf rund 110'000 Franken geschätzt. Während eines Alpsommers wurde bisher mit Verlusten von Schafen von 1 bis 2 Prozent, infolge von Krankheiten, Abstürzen oder Unwettern gerechnet. Im Sommer 2022 wurde auf denjenigen Alpen, die Risse zu verzeichnen hatten, ein Verlust von durchschnittlich 8 Prozent gezählt. Die getroffenen Schutzmassnahmen wirken nur bedingt, denn viele Tiere wurden aus geschützten Herden gerissen.

Die Einsatzgruppe Herdenschutz des Kantons Glarus wurde durch Hilfspersonal der Alpbetriebe und Zivildienstleistende unterstützt. Die Kosten für den Arbeitseinsatz im Zusammenhang mit den Wolfsangriffen betragen 37'000 Franken. Gemäss der eidg. Jagdverordnung kann das Bundesamt für Umwelt 80 Prozent dieser Kosten übernehmen.

Nach dem Alpsommer ist vor dem Alpsommer

Mit Blick auf den kommenden Sommer ist klar, dass die Anzahl der Wölfe steigen wird. Folglich müssen weitere Herdenschutzmassnahmen ergriffen werden. Insbesondere sind strukturelle Anpassungen auf den Schafalpen notwendig. Es müssen mobile Unterkünfte für das Alppersonal erstellt werden, damit die Schafälpler zusammen mit den Alpeigentümern weiterhin Schafe sömmern können.

Vorgängig muss dazu aber ein strategischer Entscheid gefällt werden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Denn die wenigsten Schafalpen verfügen über Unterkünfte für die Bewirtschafter. Der Bund und der Kanton können mit Strukturverbesserungsbeiträgen eine finanzielle Unterstützung leisten. Es ist allen Beteiligten bewusst, dass die mittelfristige Situation äusserst schwierig ist, da die Dynamik hoch bleibt. Und es wird zunehmend schwieriger, genügend qualifizierte Hirtinnen und Hirten zu finden. Die Abteilung Landwirtschaft ist besorgt und fragt sich, ob an der Koexistenz von Grossraubtieren und Kleinwiederkäuern auf den kleinstrukturierten Alpen im Glarnerland festgehalten werden kann. Die Glarner Schafalpen sind im schweizweiten Vergleich sehr gut geeignet, dank der langen Sömmerungsdauer und dem guten Futterangebot.

Quelle: Herdenschutzbeauftragter Kanton Glarus